Welt : Kölner Polizisten sollen 31-Jährigen totgeschlagen haben

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Köln  (dpa). Köln steht unter Schock. Auf einer Wache sollen bis zu sechs Polizisten einen gefesselten Mann krankenhausreif geschlagen haben. Der 31-Jährige starb um 11.15 Uhr am Freitag. Knapp zwei Wochen lag er mit einem Hirnödem im Koma. Wie ein Horror-Szenario lesen sich jüngste Enthüllungen von einer Polizistin und einem Polizisten, die nach eigenen Angaben Augenzeugen des blutigen Übergriffs waren.

Am Abend des 11. Mai hätten sich fünf bis sechs Beamte in der Wache Köln-Eigelstein um den am Boden liegenden Mann aufgebaut. Der festgenommene Randalierer sei an Händen und Füßen gefesselt gewesen.

Die Polizisten hätten auf ihn eingetreten und ihn geschlagen. Dabei sei er an Kopf, Körper, Armen und Beinen getroffen worden. Dann hätten zwei oder drei der Beamten den wehrlosen Mann an den Füßen gepackt und durch den Flur in eine Zelle geschleift. Das Opfer habe im Gesicht geblutet. Gegen zwei der Polizisten erließ die Staatsanwaltschaft Haftbefehl.

Schließlich sei der Mann von einem Rettungswagen abgeholt worden. Die Beschuldigten, die vom Dienst suspendiert wurden, schweigen bislang zu den Vorwürfen. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. „Ich bin schockiert über die Schwere der jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe“, sagte Kölns Polizeipräsident Klaus Steffenhagen am Freitag. „Der schreckliche Vorfall schadet dem Ansehen der Polizei ganz gewaltig.“ Experten sprechen vom „schlimmsten Vorfall aller Zeiten“ in Köln. Der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD) äußerte sich tief bestürzt. „Alle Umstände müssen schnell und rückhaltlos aufgeklärt werden.“ Die Kölner Polizei war am 11. Mai wegen eines lautstarken Familienstreits alarmiert worden. Der gut zwei Zentner schwere Randalierer habe sich „wie von Sinnen“ gebärdet, hieß es. Er habe Glastüren zerschlagen, gespuckt und wild um sich geschlagen.

  Die Zeugen, die nach Dienstschluss zufällig noch in der Wache waren, berichten, der Festgenommene sei mit Sirenengeheul zur Dienststelle gebracht worden. Dann hätten sie Geräusche gehört, die auf eine Auseinandersetzung schließen ließen. Umringt von Polizisten habe der 31-Jährige in der Sicherheitsschleuse der Wache am Boden gelegen.

Bemerkenswert sei, dass der Sachverhalt offensichtlich von der Polizei selbst aufgeklärt worden sei. „Das zeigt, dass die Selbstreinigung funktioniert“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende und NRW-Landeschef der Gewerkschaft, Rainer Wendt. In Köln hieß es, die Zeugen hätten genaue Beschreibungen abgegeben, Zuordnungen seien möglich.

Im Krankenhaus war der 31-Jährige bei einer Blutprobe zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Laut rechtsmedizinischem Gutachten war das Hirnödem der Grund. Die Eigelstein-Wache in Köln gerät nicht zum ersten Mal in die Schlagzeilen. Seit 1999 richteten sich laut Staatsanwaltschaft 37 Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen Beamte dieser Wache, die in einem sozialen Brennpunkt mit Rotlichtviertel und Drogenszene liegt. Einer der Beschuldigten soll bereits mehrfach wegen Körperverletzung im Amt angezeigt worden sein. Seine Aggressivität sei bekannt.

„Wir werden zusammen mit der Staatsanwaltschaft alles tun, um den Sachverhalt umfassend aufzuklären“, kündigte Polizeipräsident Steffenhagen an. Als erste personelle Konsequenz entzog er dem Leiter der Polizei-Inspektion Innenstadt, Jürgen Sengespeik (59), die Zuständigkeit für die Aufarbeitung der Affäre.

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