Kölner U-Bahn : Pfusch am Bau: Ausweitung der Ermittlungszone

Nach Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau werden nun bayerische Behörden aktiv: Es geht um Manipulationen beim Bau einer ICE-Trasse.

Köln - Der Skandal um Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau weitet sich aus. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte am Samstag, dass es Hinweise auf gefälschte Ankerprotokolle bei den Bauarbeiten an der Hochgeschwindigkeitstrasse Nürnberg–München gebe. Daher sollen nun auch die bayerischen Behörden ermitteln. Kölner Fahnder hatten am Freitag die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen für den Kölner U-Bahn-Bau durchsucht. Anschließend hatte die Staatsanwaltschaft die Mannheimer Baufirma Bilfinger Berger über den Verdacht auf Manipulationen beim Bau der ICE-Trasse informiert. Bilfinger Berger hat angekündigt, Die Arbeiten an der ICE-Trasse zu untersuchen. „Wir wollen sicherstellen, dass alle Projekte, in denen ähnliche Technologien verwendet wurden, korrekt ausgeführt worden sind“, sagte Vorstandschef Herbert Bodner.

   Beim Kölner U-Bahn-Bau deutet inzwischen vieles darauf hin, dass an mehreren Baustellen vorgesehene Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut wurden. Bauprotokolle wurden vermutlich anschließend gefälscht. Nicht eingebaute Anker wurden Berichten zufolge schwarz verkauft.

Inzwischen mehren sich auch Berichte, nach denen die Bauaufsicht geschlampt haben soll. Unter Bezug auf die Ermittler schreibt das Nachrichtenmagazin „Focus“, dass entgegen allen Regeln der Bauherr, die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), am Waidmarkt und am Heumarkt selbst die Bauüberwachung ausgeübt hätten. Nach Aussagen etlicher Bauarbeiter „war faktisch keinerlei Bauaufsicht vor Ort“. Eigentlich sei dies überall auf den jeweiligen Baustellen der Fall gewesen, habe ein Zeuge bereits im vergangenen Juni nach dem Einsturz des Stadtarchivs der Polizei gesagt.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen sollen die Stadt, deren Firmentochter KVB und die Arbeitsgemeinschaft Alarmsignale vor dem Einsturz des Stadtarchivs übersehen haben. Immer wieder habe den U-Bahn-Bauern am Waidmarkt der Einbruch von Grundwasser zu schaffen gemacht. Seit Herbst 2008 traten laut Werkprotokollen massive Wasserprobleme in der Baugrube auf. Weder Bauleiter noch Bauaufsicht informierten aber den zuständigen Prüfstatiker. Stattdessen hätten die U-Bahn-Spezialisten illegal Dutzende Brunnen eingesetzt, um das Wasser abzupumpen. Am Ende sollen 23 Brunnen in der Grube gewesen sein, vier seien aber nur genehmigt gewesen. An einem der U-Bahn-Schächte war das Stadtarchiv am 3. März 2009 eingestürzt. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt, da zwei Menschen ums Leben kamen.

Die Station Waidmarkt, in deren Nähe das Stadtarchiv eingestürzt war, wurde inzwischen weitgehend geflutet und damit stabilisiert. Die Kölner haben Befürchtungen, dass mit der Schneeschmelze und einem Hochwasser im Rhein das Grundwasser steigt und Druck auf die Wände der U-Bahn-Stationen ausübt. dpa

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