Welt : Königin Elizabeth II.: 75 und ganz allein

Die britische Königin Elizabeth II. hat am Sonnabend ihren 75. Geburtstag gefeiert - ohne Party, Geschenke und Besuch. Noch nicht einmal ihre vier Kinder schauten vorbei. Alles was sich die Queen gönnte, war ein morgendlicher Ausritt mit ihrem Stallburschen durch die Parkanlagen von Schloss Windsor.

Prinz Charles (52) wollte seinen Urlaub in Schottland nicht unterbrechen. Prinzessin Anne (50) hatte sich in die Karibik abgesetzt, Prinz Andrew (41) nach Südkorea und Prinz Edward (37) nach Los Angeles. Prinz William (18), der älteste Sohn von Prinz Charles, weilte in Südafrika, wollte seine Großmutter aber immerhin anrufen, hieß es in Presseberichten.

Die Queen Mum (100) und Prinzessin Margaret (70), die Schwester der Queen, hatten zwar die Ostertage auf Schloss Windsor verbracht, waren aber rechtzeitig vor dem Geburtstag wieder nach London zurückgekehrt. Nur der durch seine verbalen Entgleisungen bekannte Prinzgemahl Philip (79) konnte "Würstchen" - wie er seine Frau liebevoll nennen soll - persönlich gratulieren.

Offiziell wird der Geburtstag der Königin wie in jedem Jahr erst im Juni mit einer großen Militärparade und Salutschüssen in London gefeiert.

Die Queen vernachlässigte im übrigen auch an ihrem großen Tag nicht die Amtspflichten: Sie verlieh am Sonnabend 133 Unternehmen den königlichen Innovationspreis. Darunter war auch der Pharmakonzern Pfizer, der für die "Entwicklung von Viagra" ausgezeichnet wurde, "der ersten oralen Behandlung für erektile Störungen", wie es in der Erklärung hieß.

Ermüdungserscheinungen vorbeugen

Der Buckingham-Palast hat sich nach Informationen der "Times" ganz bewusst entschieden, den 75. Geburtstag nicht groß zu feiern: So solle Ermüdungserscheinungen vorgebeugt werden, wenn im nächsten Jahr das 50-jährige Thronjubiläum der Monarchin ansteht.

Dazu sind große Feiern geplant, von denen sich der Hof in einer Zeit der Erschütterungen eine Aufwertung der Monarchie verspricht.

Republikanisch gesinnte Zeitungen wie der "Guardian" und der "Independent" zogen es am Sonnabend vor, den Geburtstag zu ignorieren. Konservative Blätter dagegen bekundeten ihre Treue zur Monarchie. Der "Daily Telegraph" würdigte die Queen als "eine der am härtesten arbeitenden Rentnerinnen in unserem Land". Die "Daily Mail" stellte die These auf, die konstitutionelle Monarchie Großbritanniens werde in der ganzen Welt bewundert: "Happy Birthday, Majestät. Mögen Sie uns noch lange regieren."

Überschattet war der Queen-Geburtstag vor allem vom Skandal um ihre einstige Lieblings-Schwiegertochter Sophie von Wessex. Die Ehefrau von Prinz Edward war auf einen als Scheich verkleideten Sensationsreporter hereingefallen und hatte sich abfällig über Königshaus und Regierung geäußert. Elizabeth wurde dabei von Sophie mit dem Titel "altes Tantchen" bedacht. Außerdem äußerte sie sich abfällig über Premierminister Blair, seine Frau sowie über den konservativen Oppositionsführer Hague. "Sophiegate" hatte einen immensen Presserummel ausgelöst und die Debatte um Sinn und Zweck der britischen Monarchie neu entflammt. Auf Weisung der Königin muss Sophie die Leitung ihrer PR-Firma nun abgeben. Edward und Sophie waren am Samstag wegen "privater Geschäfte" verhindert.

Umso mehr dürfte sich Elizabeth über das Geburtstagsgeschenk der schottischen Zeitung "The Scotsman" gefreut haben. Pünktlich zu ihrem Ehrentag veröffentlichte das Blatt eine Umfrage, nach der 60 Prozent der Schotten sie auch weiterhin als ihr Staatsoberhaupt wollen. Für Thronfolger Charles fiel die Umfrage unter eintausend Untertanen nicht so schmeichelhaft aus: Mehr als die Hälfte der Monarchie-Befürworter sind dafür, dass er niemals König wird, sondern gleich sein Sohn William.

Elizabeth II., inzwischen mit 7,9 Millionen Pfund die reichste Frau der Welt, wurde am 21. April 1926 geboren. Königin wurde sie nur, weil ihr Onkel Edward VIII. wegen seiner Liebe zu Wallis Simpson auf den Thron verzichtete. Als ihr Vater George VI. im Februar 1952 starb, wurde sie im Alter von 25 Jahren Königin. Seither absolviert sie durchschnittlich 470 offizielle Termine im Jahr.

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