Welt : Königliche Hochzeit: Kult Royal

Klaus Bachmann

Die Fahrradkolonnen in den Grachten sind verschwunden, die Autos, die das Parkverbot ignoriert haben, abgeschleppt, die Fassaden versinken in einem Flaggenmeer in den Nationalfarben rot-weiß-blau und orange. Bei fliegenden Händlern, Straßenständen und Kiosken gibt es Hochzeitskitsch, vom Maxima-T-Shirt bis zu Maxima-Gebäck. Die Route, die am Samstagnachmittag von dem goldenen Sechspänner genommen wird, in dem die Brautleute im Triumphzug durch die Innenstadt fahren werden, ist nach Bomben untersucht und wird von hunderten Polizisten überwacht. Die Bewohner wurden für einen Tag ausquartiert. Kein schlechtes Geschäft: 454 Euro Schadenersatz habe er von der Stadt bekommen, berichtet ein Anwohner.

Traumhochzeit in Holland Fotostrecke:
Die schöne Argentinierin Maxima und Prinz Willem-Alexander geben sich in Amsterdam das Ja-Wort Noch besser abgeschnitten haben diejenigen, die an der Hochzeitsroute wohnen und dableiben dürfen: Für bis zu 700 Euro bieten manche ihren Balkon für Schaulustige an. Manche werden vielleicht gar nicht ankommen: Fernzüge aus dem Süden fahren nur bis zum Amsterdamer Flughafen, dort muß umgestiegen werden in Richtung Stadtmitte. Die Regierung fürchtet Anschläge aus dem Ausland. Randale von niederländischen Monarchiegegnern gelten als unwahrscheinlich. 1980, bei der Thronbesteigung von Königin Beatrix hatten sich aufgebrachte Hausbesetzer Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

So wirft auch keiner Rauchbomben, als am Donnerstagabend die Limousinen der Ehrengäste für ein feierliches Lunch mit Musik und Tanz vorfahren, das Königin Beatrix gibt, die an diesem Tag 64 Jahre alt wird. Als sie 1966 den Deutschen Claus von Amersberg heiratete, warfen Demonstranten noch Rauchbomben gegen die Kutsche. Nun verteilen nur einige schüchterne Globalisierungsgegner Essensreste aus städtischen Mülltonen vor dem Konzertgebäude, um gegen den Prunk des Galadinners zu demonstrieren. Selbst die wenigen Plakate von Antimonarchisten aus der Amsterdamer Hausbesetzerszene sind so brav formuliert, dass man den Protest kaum noch erkennen kann. Wer hat schon etwas gegen "Solidarität mit Argentinien?" oder weiß, daß "Mein Pappi ist immer ehrlich" gegen den Vater der Braut gerichtet ist, der in der argentinischen Militärjunta von Jorge Videla in den siebziger Jahren Landwirtschaftsminister war? Deftigere Plakate will die Polizei nicht hinnehmen, also hat sie auch keiner aufgehängt. Der geballte Charme der argentinischen Braut, die in den letzten Monaten die Niederlande erobert hat, scheint auch die Antimonarchisten entwaffnet zu haben.

Einige von ihnen hat Königin Beatrix persönlich unschädlich gemacht - durch Umarmung. Saskia Noorman den Uyl, sozialdemokratische Kritikerin der Heirat, steht ebenso auf der Gästeliste wie Andree van Es, Amsterdamer grüne Kulturbeigeordnete. Der Grund: Die Republikanerin gehört zu den zahlreichen Beratern, die Maxima nach ihrer Heirat ins politische, kulturelle und gesellschaftliche Leben der Niederlande einführen sollen, zusammen mit strengen Hofdamen und trockenen Staatsrechtlern und Historikern, die von Beatrix ausgesucht wurden. Beatrix wolle, daß Maxima alle Aspekte der niederländischen Politik kennenlerne, lautete die scheinheilige inoffizielle Begründung. Dass über die beiden Maxima-Berater in deren Partei inzwischen gewitzelt wird, war wohl erwünschter Nebeneffekt.

Doch die Braut-Berater machen nur den geringsten Teil der Gästeliste aus. Unter den blaublütigen Tafelgästen ist das belgische Königshaus stark vertreten. Nicht nur König Albert II kommt mit Ehefrau, auch der belgische Thronfolger Philippe ist mit seiner besseren Hälfte Mathilde gekommen, die im Oktober letzten Jahres eine Tochter gebar und mit Maxima befreundet ist. Spekulationen hat besonders die Anwesenheit von Victoria von Schweden beim Gala-Diner am Donnerstagabend ausgelöst, denn die dunkelhaarige Schönheit soll - nach nie bestätigten Pressegerüchten - einmal mit dem Bräutigam liiert gewesen sein, heiratete dann aber ins schwedische Königshaus ein. Bis zuletzt gestritten wurde auch über den Besuch von Pater Rafael Braun, Vertrauter Maximas und Freund der Familie Zorreguieta. Tage vor der Hochzeit veröffentlichte die Wochenzeitung "Vrij Nederland" Auszüge aus einem Aufsatz des Paters, in dem dieser den argentinischen Militärdiktator Jorge Videla lobte. Kommen durfte er trotzdem. Belastendes habe man nicht gefunden, teilte der Pressedienst der Regierung mit.

Zuhause bleiben mußte dagegen Willem-Alexanders bürgerliche Ex-Freundin Emily Bremers, über die sich hartnäckig das Gerücht hält, sie sei von Beatrix vergrault worden. Den Königspalast mußte sie immer durch den Hintereingang betreten. Mit der Braut des Thronfolgers scheint sich Beatrix dagegen prächtig zu verstehen. Schon lange vor der Verlobung lud sie sie zum Mittagessen ein - mitsamt ihren Eltern und durch den Vordereingang.

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