Welt : Königliche Praktikantin

Prinzessin Victoria kommt im September zum Schwedischen Außenwirtschaftsrat nach Berlin

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Von Sven Lemkemeyer

Sie ist 25, heißt Victoria Ingrid Alice Désirée und ist demnächst Deutschlands berühmteste Praktikantin: Prinzessin Victoria,Thronfolgerin von Schweden. Ab Mitte September wird sie für rund sechs Wochen den Arbeitsalltag beim Schwedischen Außenwirtschaftsrat in Berlin gehörig verändern - und das beginnt schon bei vermeintlichen Kleinigkeiten. Wie überall in skandinavischen Unternehmen gilt auch unter den zwölf Mitarbeitern schlicht das „Du", quer durch alle Hierarchie. „Aber bei ihr...ich weiß bisher nicht, wie man sie anspricht", sagt Jonas Augustson und fügt hinzu: „Eure Königliche Hoheit Prinzessin Victoria wäre auf Dauer etwas lang."

Augustson leitet das Berliner Büro des Außenwirtschaftsrates. Die königliche Familie, in Schweden nach wie vor ein wichtiger Teil der Gesellschaft, kennen er und seine 19 Mitarbeiter bisher nur aus Fernsehen und Zeitungen. Bei allem Rummel, den die Prinzessin vermutlich auslösen wird, wollen der 33-Jährige und sein Team versuchen, die königliche Praktikantin so gut wie möglich in die Arbeitsabläufe zu integrieren. „Sie wird zum Beispiel Informationen für schwedische und deutsche Firmen oder Institutionen sammeln und Anfragen bearbeiten", sagt Augustson. Prinzessin Victoria im Telefondienst also? „Na ja, so ins Detail sind wir noch nicht gegangen", sagt Augustson. Sprachprobleme wird es in keinem Fall geben. Neben Schwedisch, Englisch und Französisch beherrscht Victoria auch Deutsch. Mutter Silvia, geborene Sommerlath, stammt schließlich aus Heidelberg. Auch an welchem Schreibtisch Prinzessin Victoria sitzen wird, stehe noch nicht fest. „Vermutlich wird sie mit den anderen Kollegen im Großraumbüro arbeiten", sagt Augustson." Und die durchtrainierten Männer mit dem Knopf im Ohr? „Keine Ahnung, wie das mit den Leibwächtern ablaufen wird." Mehr kann, will und darf er nicht sagen - aus Sicherheitsgründen.

Von Berlin wechselt die königliche Praktikantin in das Pariser Büro des Schwedischen Außenwirtschaftsrats. Dort endet eine dreijährige Ausbildung der Prinzessin, die sie auf ihre zukünftige Aufgabe als Königin vorbereiten soll. Dafür studierte sie unter anderem einige Semester Staatswissenschaft und internationale Konfliktfoschung. Praktika absolvierte sie unter anderem im schwedischen Reichstag, bei der EU in Brüssel und in der schwedischen Botschaft in Washington. Bevor sie ihr Land irgendwann als Königin repräsentieren wird, könne sie sich eine diplomatische Karriere vorstellen, sagte Victoria unlängst einer schwedischen Zeitung. Allerdings entscheide darüber der Herr Papa. Ob König Carl XVI Gustaf seine Tochter in Berlin besuchen will, war bei einer Sprecherin des Hofes in Stockholm nicht zu erfahren. Aber die korrekte Anrede für Victoria: „Sie" und „Prinzessin". „Das reicht".

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