Welt : Königliche Tratschwelle

Hendrik Bebber

Es geht schon los: Die Nation feiert zwar erst im Juni das 50. Thronjubiläum ihrer Königin aber in den britischen Zeitungen begann die Hochkonjunktur der Hofreporter und "Monarchieexperten". "Eine Orgie des Klatsches" seufzt der republikanisch gesonnene "Independent" über den Vorabdruck von Graham Turners Biographie "Die wahre Elizabeth" im konservativen Konkurrenzblatt "Daily Telegraph", wo die "sprühende Erotik" Ihrer Majestät, die in der Öffentlichkeit so sehr auf Etikette bedacht ist, genüßlich geschildert wird.

So habe sich Elizabeth 1973 mit einer lasziven Darbietung für den Teppich aus Schafsfell bedankt, den ihr der australische Premierminister Gough Whitlam mitgebracht hatte.

Alkoholgelöst räkelte sie sich aufreizend auf dem Fell und streichelt so hingebungsvoll die Wolle, dass ihrem Gast fast die Sinne schwanden. Das Königshaus gab wie üblich keine Stellungnahme zu Turners Behauptungen ab. "Besonders in diesem Jahr sind viele Artikel geschrieben worden", sagte eine Sprecherin. "Gewöhnlich kommentieren wir solche Artikel nicht."

Wenn sie nicht "ihre Sexualität unterdrückte" oder regierte gefiel sich die Königin gerne in der Hausfrauenrolle und spülte persönlich nach dem Essen ab. Andere Geschichten, die der Autor aus dem Nähkästchen der Queen plaudert, bestätigen die Vermutungen, die die Leser schon immer hatten. So hielt Elizabeth ihre 1997 umgekommene Schwiegertochter Diana für "übergeschnappt", weil diese aus Langweile Dinnerparties im Buckingham Palast einfach verlies.

Anstelle an königlichen Sportveranstaltungen wie Fasanenschießen und Wettangeln teil zu nehmen, machte sie sich zum Missfallen ihrer Majestät im Aerobic-Studio fit. Freilich fand auch Dianas Rivalin Camilla keine Gnade vor Elizabeths Augen. Erst nach dem "unerträglichen Druck" von Charles fand sie sich endlich bereit, ihr die Hand zu reichen. Die damals 73jährige Monarchin hielt Camilla für ziemlich "verlebt" aber dennoch "eine dauerhafte Erscheinung". Angesichts des turbulenten Liebeslebens ihres "von Selbstmitleid geplagten" Sohnes habe die Königin sogar mit dem Gedanken gespielt, ihn bei der Thronfolge zugunsten von William zu übergehen, spekuliert der "Telegraph" in kühner Missachtung der britischen Verfassung.

Das fiel auch der "Daily Mail" auf, die in einem solchen Schritt das Ende der Monarchie sieht. Indessen würde das Massenblatt William - "das beste Stück der königlichen Familie seit Diana" - viel lieber auf den Thron sehen als Charles. Doch fürchtet die "Mail", dass William dazu keine Lust haben könnte und doch mehrfach beklagte "in eine solch unmögliche Familie" hinein geboren zu sein.

Während all diese Gerüchte nicht belegt werden können, ist die Geschichte im "Guardian" bezeugt. Hier berichtet ein Fotograf von seiner unheimlichen Begegnung mit Prinz William, der ihn beinah mit den Worten überritt: "Verpiss dich, du verfluchter Trottel". Das sollte künftigen Hofspekulanten eigentlich zur Warnung dienen.

Die Königin wird im Laufe ihres Jubiläumsjahres Platz vier der am längsten regierenden britischen Monarchen einnehmen. Und wenn sie genauso lange lebt wie ihre 101-jährige Mutter, Queen Mum, dann wird der 53-jährige Prinz Charles noch vor seiner Krönung pensioniert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben