Welt : Königsdrama von Nepal: Zögerlicher Regent

Der erschossene König Birendra von Nepal (55) hatte sich vom Alleinherrscher zum repräsentativen Monarchen gewandelt. 1990 war das Schlüsseljahr. Damals gab es Proteste in Nepal. Zunächst schlug die Regierung das Verlangen nach Demokratie blutig nieder. Aber nachdem bei einer Demonstration 500 Menschen ums Leben gekommen waren, übergab König Birendra die Macht an gewählte Volksvertreter und unterzeichnete eine neue Verfassung, die das Land zu einer konstitutionellen Monarchie machte. Seitdem wies er das Ansinnen zurück, die Herrschaft wegen der Probleme in dem armen Land wieder an sich zu reißen. Auch seine Familie hatte ihn in jüngster Zeit gedrängt, der Demokratie ein Ende zu machen. Wahrscheinlich hätte er dafür auch im Volk Rückhalt gefunden. Denn inzwischen ist die neunte Regierung in elf Jahren an der Macht. Maoisten kämpfen seit fünf Jahren für die Abschaffung der Monarchie. Birendra Bir Bikram Shah wurde am 28. Dezember 1945 geboren. Er ging zunächst in Indien auf eine katholische Schule und studierte später am Eton College in Großbritannien, in Tokio sowie in Harvard in den USA. Birendra gehörte zu einer der beiden mächtigen Dynastien Nepals, der Shah-Familie. Sie rivalisierte mit dem Rana-Clan. 1970 wurde Birendra mit Aishwarya Rajya Laxmi von der Rana-Dynastie verheiratet, um dem Streit um die Vorherrschaft ein Ende zu setzen. Nach dem Tod seines Vaters Mahendra wurde Birendra 1972, im Alter von 26 Jahren, König von Nepal. Traditionell nahm er den Titel "Dev", Gott, in seinen Namen auf.

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