Welt : Körperwelten verlassen Deutschland

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Frankfurt (Main) Keine Ausstellung hat in den vergangenen Jahren in Deutschland so viele Besucher angelockt und so viel Widerstand provoziert wie Gunther von Hagens „Körperwelten“-Leichenschau. Während die Befürworter von faszinierenden Einblicken in den menschlichen Organismus schwärmen, verurteilen Kritiker das unwürdige Spektakel mit Toten. Nach einer mehr als sieben Jahre dauernden Tour durch mehrere Städte hat Initiator von Hagens seine Schau am Sonntag in Frankfurt am Main geschlossen. Und er will sie in Deutschland künftig nicht mehr zeigen, denn die Behörden seien hier noch nicht reif dafür.

Wo immer von Hagens seine präparierten Leichen zeigte, füllten sich die Hallen. Nach Angaben der Veranstalter hat sich inzwischen fast jeder zwölfte Deutsche ein Bild von der Ausstellung gemacht. In Frankfurt wurden in den vergangenen sechs Monaten knapp 540 000 Besucher gezählt. Doch immer regte sich auch heftige Kritik, vor allem von den Kirchen, die die Verletzung der Totenruhe anprangerten.

Die Behörden mussten deshalb abwägen, welches Recht schwerer wiegt: Die Totenruhe oder der Anspruch auf Bildung, der den Umgang mit Leichen erlaubt. Dass von Hagens einem Bildungsauftrag folgt, bezweifeln jedoch die Kritiker. Für sie gehören etliche seiner Ausstellungsstücke ins Gruselkabinett. Diese Einschätzung teilten die Gerichte. So mussten einige als reißerisch eingestufte Objekte in München und Stuttgart aus der Schau genommen werden. In Frankfurt traf es den plastinierten Gorilla „Arti“, als das Bundesamt für Naturschutz einschritt.

In Schwierigkeiten brachten von Hagens bislang nur die Enthüllungen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“, er habe in seiner chinesischen Präparations-Fabrik Leichen von Hingerichteten verarbeitet. Diesen Vorwurf konnte er nicht entkräften.

Mehr als 100 Städte weltweit werben um seine Schau, mit der von Hagens jetzt eine Tour durch die USA plant. Eine zweite Ausstellung ist seit Jahren erfolgreich in Fernost unterwegs. Anfang 2005 will er eine dritte Sammlung in Italien oder Spanien präsentieren: „Glanzlicht wird ein plastiniertes Eiskunstlaufpaar sein.“ Seine Schau werde erst nach Deutschland zurückkommen, wenn die Rechtslage geklärt sei. dpa

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