Kofferbomben-Prozess : Experte: Sprengsätze hätten Inferno angerichtet

Im Prozess um den missglückten Kofferbomben-Anschlag auf Züge in NRW hat ein Sprengstoff-Experte über die Gefährlichkeit der Sprengsätze referiert. Sein Fazit: Im Juli 2006 ist Deutschland nur knapp einer Katastrophe entgangen.

Kofferbomber
Fühlt sich unschuldig: Youssef El-Hajdib bestreitet sämtliche Tatvorwürfe. -Foto: ddp

DüsseldorfDie Kofferbomben in zwei nordrhein-westfälischen Regionalzügen waren nach Aussage eines Sprengstoff-Experten sehr professionell konstruiert und außerordentlich gefährlich. Der Sprengsatz aus dem Regionalexpress nach Hamm, den er selbst unschädlich gemacht habe, zähle zu den ausgefeiltesten, die er in mehr als 25 Jahren als Entschärfer gesehen habe. Das sagte der Bundespolizei-Angehörige am Dienstag als Zeuge im Kofferbomber- Prozess am Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Sehr geschickt konstruierte Bombe

Der Mechanismus hätte einen großen Feuerball auslösen können. "Auch im Nachgang komme ich zum Ergebnis, dass dieser Sprengsatz kein Spielzeug war", so der 45-jährige Experte. Die Bombe sei sehr geschickt konstruiert worden. "Diese handwerklichen Fähigkeiten schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Das muss man vorher geübt haben. Die Professionalität erkennt man an den kleinsten Details."

Der in Düsseldorf angeklagte Libanese Youssef Al H. soll mit einem Mittäter zwei nahezu baugleiche Bomben in Koffern versteckt und in zwei Zügen deponiert haben. Wegen eines technischen Fehlers waren die Sprengkörper damals nicht explodiert. Der Libanese will die zwei Bomben in den Zügen von Aachen nach Hamm und von Mönchengladbach nach Koblenz bewusst sabotiert haben. Der Komplize wurde im Libanon bereits rechtskräftig zu zwölf Jahren Haft verurteilt, Al H. erhielt dort in Abwesenheit eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Knapp Inferno entgangen

Der Bundespolizist entwarf ein düsteres Bild von dem Inferno, das am letzten Juli-Tag 2006 hätte ausgelöst werden können. An der Propangasflasche mit Zündvorrichtung hatten die Bombenbauer drei große Plastik-Limonadenflaschen mit einem Benzingemisch angebracht. "Durch den Kraftstoff wird die Wirkung um ein Vielfaches verstärkt." Als er eine Tüte mit hellem Pulver gesehen habe, sei er zunächst sogar von einem biologischen Kampfstoff ausgegangen, bis es als Speisestärke identifiziert wurde: "Durch diesen feinen Staub hätte sich eine vielfache Verstärkung des Feuerballs ergeben."

Ein Bahn-Mitarbeiter hatte das Gepäckstück im Dortmunder Hauptbahnhof zum Fundbüro geschleppt. Dort brach ein Kollege den Koffer auf und alarmierte dann die Bundespolizei. Ein Polizist ließ nach einem kurzem Blick auf die Apparatur die Umgebung des Fundbüros räumen und rief das Expertenteam. (mbo/dpa)

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