Kolumbien : Schnüffelratten spüren Landminen auf

Im Labor der kolumbianischen Polizei in Bogotá herrscht geschäftiges Treiben: Eine Schwadron Schnüffelratten trainiert das Aufspüren von Anti-Personen-Minen, die in ganz Kolumbien verstreut sind.

Henry Orrego[AFP]
Schnüffelratten
Ein Team: "Leibwächter" Thomas passt auf Schnüffel-Azubi Natascha auf. -Foto: AFP

BogotáBewacht werden die Azubi-Ratten von Katzen, die als "Leibwächter" fungieren. "Wir haben Ratten gewählt, weil ihr Geruchssinn mit dem von Hunden vergleichbar ist. Gleichzeitig können sie wegen ihrer geringen Größe an schwer zugänglichen Orten zum Einsatz kommen, und sie sind schnell abgerichtet", erklärt die Tierärztin Luisa Mendez, eine der Verantwortlichen des Projektes. Schon nach wenigen Tagen erkennen die Nager den Sprengstoff, fertig ausgebildet sind sie in zwei bis drei Monaten.

Mendez setzt die Ratte Natascha an den Eingang eines Labyrinths, in dem sich ein mit Sprengstoff gefüllter Behälter befindet. Innerhalb weniger Sekunden hat das Nagetier ihn ausfindig gemacht und sich auf die Hinterbeine gestellt. So verharrt es, bis es ein Zuckerstückchen zur Belohnung bekommt. Die Übung wird in einem Zeitraum von zehn Minuten mehrere Male wiederholt, die Ergebnisse werden auf einem Computer gespeichert.

Wach-Kater Thomas und seine Kollegen passen auf

Dies alles geschieht unter den Augen von Thomas, der Wach-Katze. Er und seine "Kollegen" sind laut der Tierärztin dazu da, die Ratten vor Angriffen anderer Katzen zu schützen, und ihnen die Angst vor anderen Tieren zu nehmen, die sie bei ihren Einsätzen treffen könnten. "Die Katzen sind praktisch so etwas wie Leibwächter", sagt Mendez. Die Laborkatzen wurden im Alter von drei Wochen von ihren Müttern getrennt und an das Leben mit den Nagetieren gewöhnt. Paco, die Chef-Ratte, gibt den Ton an. Mit ihren Bissen hat sie sich auch bei den Katzen Respekt verschafft.

Dank ihres geringen Gewichts können sich die Schnüffelratten auf den Sprengstoff stellen, ohne den Zündmechanismus auszulösen. Bei den viel schwereren Spürhunden dagegen gab es in der Vergangenheit viele Opfer, deshalb suchte die Polizei nach Alternativen. Ein weiterer Vorteil sind die Kosten: Ein Hund kostet 350 Euro, während Ratten für sieben Euro angeboten werden.

Tausende Menschen werden Opfer von Landminen

Im November werden 14 Ratten und drei Katzen ins Gelände geschickt, um die Minensuchtrupps zu unterstützen. Kolumbien ist das am schlimmsten verminte Land der Welt. Vor allem die Guerilla-Bewegung Farc setzt Anti-Personen-Minen ein, um das Vorrücken der Armee im Dschungel zu verhindern; Landminen sind billig und haben eine große Zerstörungskraft. Nach Angaben der kolumbianischen Organisation gegen Anti-Personen-Minen werden in dem lateinamerikanischen Land täglich drei Menschen durch Minen verletzt oder getötet. In den vergangenen zehn Jahren gab es schätzungsweise 5000 zivile Opfer.

Die 2006 gestartete Initiative, Ratten als Minensucher einzusetzen, ist vielversprechend. Gebremst wird das Projekt durch mangelnde Investitionen und Widerstand bei den Wissenschaftlern. So müssen die Rattentrainer mit einem Budget von umgerechnet 35.086 Euro im Jahr auskommen. Überwacht werden sie von einer Bioethik-Kommission. Die Ergebnisse der Experimente werden auch von der spanischen und der mexikanischen Polizei verwertet. Nun machen sich Einsatzkräfte der kolumbianischen Polizei mit den Ratten vertraut. Veteran Henry Mundoz hat sich schnell an die pelzigen Helfer gewöhnt: "Am Anfang verspürt man natürlich Abneigung, aber man gewöhnt sich daran", sagt er. Seine zukünftigen Kollegen turnen ihm dabei auf den Schultern herum.

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Ratten erschnüffeln Minen und Krankheiten
Ratten erschnüffeln Minen und Krankheiten

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