• Kolumne Tücken der Woche: Was Friedrich Küppersbusch über Gerechtigkeit und die Fifa denkt

Kolumne Tücken der Woche : Was Friedrich Küppersbusch über Gerechtigkeit und die Fifa denkt

Über die Tücken der Woche schreibt auch in dieser Woche Friedrich Küppersbusch im Tagesspiegel. Diesmal kommentiert der Autor, Moderator und Freigeist Spionage, Amerikaner - und Fußball.

Friedrich Küppersbusch
Friedrich Küppersbusch.
Friedrich Küppersbusch.Foto: picture alliance / dpa

Der Rausch ist vorbei. Wir reiben uns die schwarz-rot-gold geschminkten Wangen und lesen neue und alte Schreckensnachrichten aus der Ukraine, aus Israel. Haben Sie Trost für uns?
Wenn die Welt nicht bei Trost ist, wie sollten wir? Das Fußballturnier zeigte Menschen wie zufällig auf Nationaltrikots verlost, viele Spieler kannten einander aus ihren Proficlubs. Scherzend im Kabinengang vor dem Spiel, nach dem Abpfiff erschöpft kosend – eine Anderswelt mit Gewinnern, Verlierern und aber ausschließlich Überlebenden. Das Gemosere an den Schiedsrichtern steht für den unausgesprochenen Kompromiss, dass es Gerechtigkeit nicht gibt. Und wenn nun gar keiner der Sieger sein will, senkt sich aus Lüften die betörende Schießmeter-Elfe herab und drückt willkürlich einen an ihre Brust. Immerhin ist die veranstaltende Dachorganisation Fifa ein so rechtschaffen korrupter und habsüchtiger Sauhaufen, dass man umgekehrt mit den UN wieder ganz zufrieden sein muss.

Müssen die guten alten UN bald vermitteln zwischen den zerstrittenen Freunden USA und Deutschland?
Die Obama-Administration lässt ausrichten, man fände es „schlichtweg nicht die Reaktion von Erwachsenen“, dass Deutschland dem US-Spionagechef die Ausreise erleichtert hat. Vermutlich geht die Episode als „Angela Merkels Kinder-Überraschung“ in die Fußnoten der Geschichte ein. Nicht ganz dumm, wie Justizminister Heiko Maas das gewünschte Geheimabkommen TTIP mit in die Lostrommel wirft und den Amis ein kindgerechtes „Ätsche, selber schuld“ auf die Kutte sprüht. Auf die lange Sicht könnten die Amerikaner erkennen: Ihr Maximaldruck auf Kanzler Schröder wegen des irrigen Irak-Krieges hat Gräben vertieft. Und, o. k., Schröder aber auch gleich vollverputint. Sie erschweren Merkel einen proamerikanischen Kurs. In der Sache gilt auch hier die alte Fußballregel: Du darfst alles, was der Schiri nicht sieht. Jeder durchschnittliche Bond-Fan geht davon aus, dass Spione einander um die Wette beobachten. Die Amis haben einen Anfängerfehler gemacht – sie haben sich erwischen lassen. Vielleicht fliegt Philipp Mißfelder, einmal im Rudolf-Hess-Fieber, bald in geheimer Mission nach Washington und fliegt dafür endgültig aus der Schüler-Union.

Immerhin, die Kanzlerin findet Trost – ausgerechnet in der ihr traditionell kritisch zugewandten Bild-Zeitung. Dort wird dazu aufgerufen, ihr Lieblingslied zu intonieren oder ihr zum Sechzigsten wenigstens ein Bildchen zu malen. Was sagt man dazu?
Tja, die Amis vergleichen uns ja eh gerade mit Nordkorea und Russland. „Bild“ nimmt das offenbar ernst. Das Organ kommt inzwischen öfter mal „gratis an alle Haushalte“ und drückt in dieser Preisgestaltung seinen Schwenk ins Lager der Winterschuhfüllungen aus. Im nächsten Schritt könnten sie kleine Geldbeträge beilegen, vielleicht nimmt es dann jemand. Merkel selbst hat es, darin dann eher Brandt als Kohl, verstanden, sich selten mit dem Blatt gemein zu machen. Wobei es ehrenrührig wäre, Brandt einen so guten Kontakt zur Verlegerin zu unterstellen postum.

Vielleicht mündet der große Volkskanon „Wir lieben die Stürme“ zu Ehren der Kanzlerin ja auch in ein Abschiedslied. Nach „Stern“, „Bild“ und „Cicero“ tritt Merkel diese Woche mal im „Spiegel“ zurück. Dann muss doch was dran sein?
Diesmal soll es von der Leyen richten, nach Kramp-Karrenbauer letzte Woche. Ich glaube, es wird erst ernst, wenn Gauck seine Frisur in den Ring wirft.

Und wer wird 2018 Weltmeister?
Wie immer, Costa Rica.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft trainiert Friedrich Küppersbusch beim Tagesspiegel.

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