Kometensonde "Rosetta" : Billard im All

Rund 15 Minuten lang war die Kometensonde "Rosetta" durch den Schatten des Mars geflogen und dabei hinter dem roten Planeten verschwunden. Ohne Funkkontakt zur Erde. Dennoch verlief das gewagte Manöver wie geplant.

Darmstadt - Um kurz vor 4 Uhr am Morgen konnten die Wissenschaftler und Techniker im Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur aufatmen: Ihre Raumsonde "Rosetta" hat sich zurückgemeldet. In 250 Kilometern Entfernung passierte die Sonde den Mars und schoss dabei Fotos im Infrarot-, UV- und sichtbaren Licht von der Oberfläche des Planeten und seinem Mond Phobos.

So manches hätte schief gehen können in dieser Nacht, doch die ESA-Wissenschaftler in Darmstadt waren gut vorbereitet. "Wir haben in den vergangenen Monaten verschiedenste Szenarien durchgespielt", erläutert Missionsmanager Gerhard Schwehm. Bereits seit 22 Jahren arbeitet Schwehm an dem "Rosetta"-Projekt und ein Ende ist für ihn noch lange nicht in Sicht. Denn die unbemannte Sonde, die vor fast genau drei Jahren ins All abhob, hat noch nicht einmal die Hälfte der Wegstrecke hinter sich. Bis zu ihrem eigentlichen Ziel, den Kometen "67 P/Churyumov-Gerasimenko", sind es noch fünf Milliarden Kilometer oder sieben Jahre.

"Rosetta" soll eng an Planeten vorbeifliegen

"Rosettas" Reise zu dem Kometen verläuft über Umwege. Um die Sonde an ihr Ziel zu bringen, müssen die ESA-Wissenschaftler mit ihr quasi "Weltraumbillard" spielen. Immer wieder schicken sie die Sonde in Richtung von Mars oder Erde, damit sie beim Vorbeiflug an den Planeten deren Schwerkraft für Richtungsänderungen und den eigenen Antrieb nutzt. "Das wissenschaftliche Programm, das beim Vorbeiflug am Mars noch abläuft, ist nur ein Bonus", sagt Schwehm, der wie seine Kollegen gespannt auf jenen Tag im Frühling 2014 wartet, an dem "Rosetta" "67 P/Churyumov-Gerasimenko" erreicht und das Landegerät "Philae" absetzt, um den Kometen so genau untersuchen, wie dies in der Geschichte der Raumfahrt bisher noch nicht möglich war.

Auch bei David Southwood, dem Wissenschaftsdirektor der ESA, spürt man bereits große Vorfreude auf diesen Moment. "Wenn man das Sonnensystem wirklich verstehen will, dann muss man verstehen, woraus Kometen sind", sagt er und meint damit, dass Kometen einzigartige Zeugen der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren sind.

Begann das Leben mit Hilfe von Kometen?

Beide - Kometen und Planeten - entstammen dem gleichen Urnebel. Doch während sich die Planeten im Laufe der Jahrmilliarden veränderten, blieb die Chemie der Kometen nahezu gleich. In ihrem Inneren werden komplexe Moleküle vermutet, die möglicherweise einst die Entstehung des Lebens auf der Erde beförderten. Auch könnten Kometen eine wichtige Rolle bei der Bildung der Ozeane und Atmosphäre gespielt haben. "Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob das Leben auf der Erde mit Hilfe von Kometen begann, haben wir heute einen weiteren wichtigen Schritt zurückgelegt", zeigt sich der ESA-Wissenschaftsdirektor zufrieden. (Von Guido Heisner, ddp)

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