Welt : Kommode läßt "Bernsteinfieber" steigen

Experten: Möbelstück höchstwahrscheinlich echt/ Keine Spur zum legendären Kunstschatz BERLIN/POTSDAM (AP/dpa/Tsp).Eine Spur zu dem legendären Bernsteinzimmer wird vermutlich auch die jetzt aufgetauchte Kommode nicht weisen.Die Potsdamer Polizei bezeichnete entsprechende Mutmaßungen als reine Spekulation.Das am Mittwoch abend im Berliner "Spiegel"-Büro vorläufig sichergestellte Möbelstück wurde am Freitag mittag freigegeben.Es bestehen laut Polizei keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Eigentumsverhältnisse.Gleichwohl leitete die Berliner Staatsanwaltschaft ein Vorermittlungsverfahren ein.Nach Expertenangaben stammt die Kommode mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem seit 1944 verschollenen Bernsteinzimmer. Das bestätigte auch der Direktor des Museums von Zarskoje Selo, Iwan Sautow, der Agentur Itar-Tass.Sie sei eins von zwei derartigen Möbelstücken, die um das Jahr 1760 unter der Aufsicht des Architekten Bartolomeo Rastrelli eigens für das Bernsteinzimmer angefertigt worden waren."Spiegel"-Angaben zufolge stimmen in kyrillischer Schrift notierte Inventarnummern auf der Rückseite des Möbelstücks mit denen aus einer Liste des Petersburger Katharinenmuseums überein."Wir gehen davon aus, daß die Kommode demnächst in das St.Petersburger Katharinenmuseum zurückkehren wird", sagte "Spiegel"-Ressortleiter Heinz Lohfeldt. Dazu müßte die Kommode allerdings möglicherweise der jetzigen Besitzerin abgekauft werden.Die in Westberlin lebende Frau kann nach der Freigabe der Kommode durch die Polizei frei über das Möbelstück verfügen.Sie hat die Kommode nach Angaben des "Spiegels" bei einem Fernsehbericht über das Bernsteinzimmer wiedererkannt und sich über ihren Anwalt Peter Danckert an das Nachrichtenmagazin gewandt.Danckert ist auch Rechtsvertreter von Alexander Schalck-Golodkowski, dem früheren Chef der Stasi-Firma "Kommerzielle Koordinierung", deren Abteilung "Kunst und Antiquitäten" die wertvolle Kommode 1978 in den Westen verkauft haben soll. Auf die Existenz der Kommode hatte vor wenigen Tagen zuerst ein Leipziger Restaurator aufmerksam gemacht, der das Stück vor 18 Jahren aufgemöbelt haben will.Der Sprecher der Potsdamer Polizei, Geert Piorkowski, sagte, obwohl es keine Spur zu dem Bernsteinzimmer gebe, sei es für die Ermittler höchst interessant, daß innerhalb kürzester Zeit bereits ein zweites mutmaßlich echtes Stück aus dem Kunstschatz aufgetaucht sei.Bereits in der vergangenen Woche war in Bremen ein Steinmosaik beschlagnahmt worden, das nach Expertenansicht aus dem Bernsteinzimmer stammt.

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