Kondompflicht per Referendum : Die Porno-Polizei von Los Angeles

In der Sex-Industrie von Los Angeles müssen jetzt Kondome benutzt werden – daran hält sich aber offenbar keiner. Jetzt soll die Polizei bei den Dreharbeiten zugucken, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

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Der Tipp war anonym, aber so glaubwürdig, dass die Polizei sofort einschreiten will. In Los Angeles sollen Pornodarsteller trotz gesetzlich vorgeschriebener Kondompflicht auch weiterhin ohne Schutz ihre Arbeit verrichten.

Das jedenfalls behauptet Michael Weinstein, Vorsitzender der AIDS Healthcare Foundation. Aufgrund diverser Hinweise, so sagt Weinstein, reichte seine Organisation jetzt eine Beschwerde bei der Gesundheitsbehörde in Los Angeles ein.

Seit Dezember gilt Kondompflicht für Pornodarsteller in Los Angeles. Diverse Produktionsgesellschaften sollen weiterhin gegen die neue Regel verstoßen. Die Polizei will das jetzt prüfen.

„Wir haben auch Beweismittel mit eingereicht“, sagte Weinstein, der bei einem Pressetermin verlauten ließ, dass der anonyme Hinweisgeber ein Video mitgeschickt hatte, das bei einer Pornoproduktion aufgenommen worden war und zeigen soll, dass die Darsteller keine Kondome tragen.

Weinstein weiter: „Wir haben uns auf der Website der Produktionsfirma davon überzeugt, dass die Darsteller tatsächlich gegen die Vorschriften verstoßen.“ Jetzt will das Police Department von Los Angeles (LAPD) eine Sondereinheit auf die Porno-Sets entsenden. Die „Porno-Polizei“ soll unangekündigt bei den Dreharbeiten von Sexproduktionen aufkreuzen und überprüfen, ob gerade der Kondompflicht nachgekommen wird. LAPDChef Charlie Beck nimmt die Vorwürfe sehr ernst: „Wenn gegen ein Gesetz verstoßen wird, dann werden wir eingreifen, keine Frage“, sagte der erste Polizist in Los Angeles.

In mehreren Fortbildungskursen soll den Beamten der Porno-Polizei beigebracht werden, wie sie mit dem Thema „unerlaubter Austausch von Körperflüssigkeiten“ umzugehen haben.

Ein Polizist aus Santa Monica, der anonym bleiben möchte, zu diesem Thema: „Natürlich ist es komisch, anderen Menschen beim Sex zuschauen zu müssen. Solch eine Aufgabe hatten wir bisher nicht.“

Die Kondompflicht für Pornodarsteller war bei einer Volksbefragung im November vergangenen Jahres den Einwohnern von Los Angeles als „Measure B“, auch „Kondom-Initiative“ genannt, vorgeschlagen worden. 56 Prozent der abgegebenen Stimmen sprachen sich für die Gesetzesänderung aus.

Der nördliche Teil von Los Angeles gilt seit Jahrzehnten als das Zentrum der amerikanischen Erotikfilm-Produktion. Der jährliche Umsatz der Sexfilm-Industrie wird auf rund zehn Milliarden Dollar geschätzt und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Die Pornoindustrie will sich gegen die neue Kondompflicht juristisch wehren, weil die Sprecher der Sexindustrie glauben, dass die neue Vorschrift schlecht fürs Geschäft sei.

Außerdem drohen diverse große Produktionsfirmen damit, an andere Drehorte in den USA zu wechseln und mehr als 10 000 Jobs mitzunehmen. Das würde auch zu Steuerausfällen führen. Los Angeles und der Bundesstaat Kalifornien haben wegen zu geringer Steuereinnahmen ohnehin viel zu viele Schulden. Der Verlust einer großen Wirtschaftsbranche würde die Not der öffentlichen Haushalte zusätzlich verschärfen.

Edward Arenas ist CEO von „Naughty Productions“. Er hält das neue Gesetz auch deshalb für „absolut absurd“, weil „es nur noch mehr Pornoproduktion in den Untergrund und in versteckte Hinterhöfe zurückschicken würde“. Genau das allerdings wollte das neue Kondomgesetz vermeiden, es sollte das bisher weitgehend unregulierte Gewerbe sinnvollen Einschränkungen unterwerfen. Frank Siering

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