Welt : Kongo: Gift im Nationalgemüse

Christoph Link

Auf der Insel Idjwi auf dem Kivu-See in der Demokratischen Republik Kongo sind 20 Menschen nach dem Genuss von Maniok gestorben. Das teilte ein Sprecher des Rebellenverbands "Versammlung für Demokratie" in Goma im Ostkongo mit. Der Kivu-See ist in der Hand von Rebellen, die jedoch eine halbwegs funktionierende Verwaltung eingerichtet haben. Nach dem Verzehr des blausäurehaltigen Gemüses kommt es in Afrika immer zum Erbrechen oder Durchfall und manchmal auch zu tödlichen Unfällen.

Nach Auskunft des Agraringenieurs Anselme Musubao haben die Todesopfer von Idjwi offenbar die wichtigen Zubereitungsregeln missachtet. Die armdicken Maniok-Wurzeln müssen drei bis vier Tage lang gewässert und dann an der Sonne oder am Feuer getrocknet werden. Anschließend ist die Wurzelhaut sorgsam zu entfernen. Mit dieser Prozedur soll der Blausäureanteil in der Wurzelknolle vermindert werden. Blausäure enthält Zyankali und ist hochgiftig. Die in Europa erhältliche Variante der Maniok-Frucht ist frei davon.

Für die Nahrungsmittelexperten ist der Unfall unerklärlich, denn Maniok ist ein Grundnahrungsmittel für die Kivu-Bauern, vergleichbar mit Brot oder Kartoffeln in Mitteleuropa - und die Menschen sind mit der Zubereitung vertraut. Aus Hunger - so die Vermutung - wird aber oft auf die umständliche und langwierige Zubereitungsprozedur verzichtet. Die Vergiftungsgefahr ist in Afrika aber durchaus bekannt. In Kenia ist es deshalb verboten, Kinder mit Maniok zu ernähren. In den Slum-Restaurants von Kenias Hauptstadt Nairobi wird das Gemüse als Beilage zum Fleisch serviert, es gilt als Arme-Leute-Essen, das satt macht, aber wenig Nährwert hat. "Man darf Maniok nie vor dem schlafengehen essen", sagen die Einheimischen, denn dann drehe sich der Magen um. Nach Maniok-Genuss sei es am besten, hart zu arbeiten.

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