Konzert im Olympiastadion : Madonna thront über Berlin

Vor 50.000 Menschen legte Madonna am Donnerstag in Berlin eine souveräne Show ab. Im nicht ganz ausverkauften Olympiastadion präsentierte die Queen of Pop ihren Fans einen Querschnitt durch ihre 25-jährige Karriere.

Elke Vogel
Madonna
Madonnas Show in Berlin lockte 50.000 Zuschauer in das Olympiastadion. -dpa

BerlinMadonna ist eine Perfektionistin und extrem diszipliniert. Für die Konzerte ihrer "Sticky and Sweet"-Welttournee probte sie zusammen mit ihren Musikern 653 Stunden lang. Dass sich der Ehrgeiz gelohnt hat, zeigte sich auch an der dritten Station ihrer Konzertreise rund um den Globus. Im Berliner Olympiastadion begeisterte die 50-jährige Popdiva am Donnerstagabend etwa 50.000 Fans mit einer perfekten Show inklusive einer Prise Provokation.

Dabei ließ das Pop-Chamäleon wieder fast alle Facetten seiner über Jahrzehnte entwickelten Bühnenpersönlichkeit schillern: Madonna als Sexsymbol und Stilikone, musikalische Trendsetterin und politisch Engagierte. Die "Queen of Pop" bewies, dass sie als souveräne Herrscherin über ein ausgedehntes Pop-Reich die ganz große Show-Maschinerie immer noch auf Hochtouren bringen kann.

Das Konzert war nicht ausverkauft

Das knapp zweistündige Konzert war allerdings nicht ganz ausverkauft. Statt mit religiösen Symbolen oder sexueller Freizügigkeit erregt die Amerikanerin dieses Mal mit einem zynischen Kommentar zum laufenden US-Wahlkampf die Gemüter. Auch in der deutschen Hauptstadt stellte die Künstlerin in einer Videoeinspielung zum Song "Get Stupid" den republikanischen Präsidentschaftsbewerber John McCain in eine Bilderreihe mit Adolf Hitler und den afrikanischen Diktator Robert Mugabe. Was bei McCain und seinen Parteigenossen Entrüstung auslöste, wurde bei dem Berliner Konzert mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Jubel gab es bei der Einspielung, die den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama in Zusammenhang mit Nelson Mandela, Martin Luther King, Mahatma Gandhi und Al Gore bringt.

Musikalisch bot die muskelbepackte Madonna einen Querschnitt durch ihre 25-jährige Karriere: von Pop, Funk und Disco bis Electro, Techno und Hip-Hop. Auf einem Thron und in knappstem schwarzen Stripper-Outfit präsentierte sie sich als sexy Gangsterbraut auf der 60 Meter breiten Bühne und eröffnete mit dem Song "Candy Shop" aus ihrem jüngsten Album den Abend. Kombiniert wird der "Gangsta Rap à la Madonna" mit der Eleganz der 20er Jahre. Eine weiße Limousine fährt die Sängerin bis ans Ende eines Laufstegs, der 30 Meter in die wogende Zuschauermenge hineinragt.

Alle Songs sind neu aufgepeppt

Im "Old School" getitelten Konzertteil erinnert sich Madonna an den Beginn ihrer sagenhaften Laufbahn im New York der frühen 80er Jahre - unter anderem mit "Vogue" und "Get Into The Groove", performt im engen pinkfarbenen Joggingdress.

Dann folgte zur Freude der Fans ein Ausflug zur "Isla Bonita", neu interpretiert mit rumänischen Musikern. Sofort stellt sich der gewünschte Wiedererkennungseffekt ein, alle Songs sind jedoch musikalisch neu aufgepeppt. Mehrere Madonna-Doubles aus vergangenen Epochen ihrer Karriere schickt die Künstlerin deshalb demonstrativ von der Bühne zurück in die Versenkung. Immer wieder greift sie auch selbst zur Gitarre. Zum Beispiel bei der Ballade "You Must Love Me" aus Madonnas einzigem erfolgreichen Kinofilm "Evita". Oder bei der Rockversion von "Borderline". Lustvoll verausgabt sie sich zu Songs wie dem Klassiker "Like A Prayer", dem Disco-Song "Hung Up" oder neuen Titeln wie "4 Minutes" und "Give It 2 Me" im Hip-Hop-Stil.

3500 Kleidungsstücke reisen mit Madonna auf ihrer Tour durch die Welt

Madonnas Auftritt in acht verschiedenen Kostümen ist bis ins Detail durchgestylt. Viele der aufwendigen Bühnen-Outfits sind Stücke von Topdesignern wie Givenchy, Stella McCartney und Yves Saint Laurent. Unter den insgesamt 3500 verschiedenen Kleidungsstücke, die Madonna auf ihrer Welttour dabei hat, sind auch 100 Netzstrumpfhosen sowie 100 Paar Knieschoner für die akrobatischeren Teile ihres Bühnenauftritts - zum Beispiel an der Striptease-Stange oder beim Breakdance. 

Zwei weitere Konzerte in Deutschland folgen. Am 4. September tritt Madonna in Düsseldorf und am 9. September in Frankfurt/Main auf. Madonnas Welttournee führt die Sängerin bis Dezember in insgesamt 37 Städte in Europa, Nord- und Südamerika. (kk/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar