• Kränkungen können zur Gewalt verleiten Psychologe erklärt, warum Schüler zu Tätern werden

Welt : Kränkungen können zur Gewalt verleiten Psychologe erklärt, warum Schüler zu Tätern werden

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Wiesbaden (dpa). Die Schule ist nach Ansicht von Psychologen für viele Jugendliche ein Ort der tiefsten Kränkung. Um sich gegen Kränkungen von Lehrern und Mitschülern zu wehren, setzten einige Jugendliche Gewalt ein. „Eine kleine Gruppe von etwa zwei Prozent führt regelmäßig Waffen mit sich“, sagte Professor Friedrich Lösel vom Institut für Psychologie und Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität ErlangenNürnberg in einem dpa-Gespräch in Wiesbaden. „Neben Konflikten mit den Eltern und enttäuschter Liebe sind Kränkungen in der Schule die häufigsten Gründe für Selbstmorde von jungen Menschen.“ Deswegen wählten Jugendliche die Schule als Schauplatz für massive Gewalttaten wie den Amoklauf in Erfurt oder für Schießereien wie am Mittwoch im fränkischen Coburg. „Das hat dann eine sehr symbolische Bedeutung, weil sich die Jugendlichen dann stark fühlen und meinen, es den anderen zeigen zu können“, sagte Lösel, Autor der am Mittwoch vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Studie „Aggression und Delinquenz unter Jugendlichen“.

Allerdings dürften Probleme in der Schule nie isoliert betrachtet werden. „Da spielen immer viele Faktoren wie auch das emotionale Umfeld im Elternhaus und in der Klasse eine große Rolle.“ Deswegen fordert der Psychologe, Jugendliche ernst zu nehmen, die in schwierige Lagen kommen und gar Gewalttaten ankündigen wie bei einem Vorfall 1999 in Sachsen. „In Sachsen hatte der Jugendliche zuvor gedroht, mit einem Messer auf die Lehrerin loszugehen, aber keiner hat ihn ernst genommen“, sagte Lösel. Ein 15-jähriger Schüler hatte damals in Meißen seine Lehrerin erstochen. „Wenn Lehrer bemerken, dass ihre Schüler Waffen besitzen, müssen die Schulen natürlich etwas dagegen tun“, sagte Lösel.

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