Krankenkasse : Im Giftschrank

Die Vereinigte Krankenkasse IKK hat in ihrer Mitgliederzeitschrift den Grünling als einen schmackhaften Pilz angepriesen. Bleibt zu hoffen, dass die Korrektur nicht zu spät kam.

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Nein, wir werden das Wetter nicht beschimpfen (obwohl es das verdient hätte). Wir wollen den Herbst preisen. Weil man nun in die Pilze gehen kann, gerade, weil es so nass war und ist. Und wenn man wieder aus den Pilzen rauskommt, hat man einen Parasol dabei, auch Riesenschirmling genannt. 20 Zentimeter im Durchmesser sollte er schon haben. Vom Waldboden säubern, nicht! waschen!, nur ein wenig abklopfen und den Stil entfernen. Anschließend die Scheibe Pilz in Mehl wenden, dann in einem aufgeschlagenen Ei, abschließend in Paniermehl. Und nun ab damit in die Pfanne und in aufschäumender Butter ausbraten. Dazu kann man etwas saure Sahne oder Crème fraîche reichen, auf jeden Fall mit frisch gehackten Kräutern. Ja, das schmeckt!

Und hat keine Nachwirkungen. Der Parasol ist genießbar. Das kann nicht jeder Pilz von sich sagen, nicht nur der Fliegenpilz nicht und der Knollenblätterpilz. Manchmal aber wandelt sich auch die Genießbarkeit. Der Grünling zum Beispiel galt viele Jahre als essbar. So lange, bis der ein oder andere Pilzfreund sich im günstigeren Fall schweißgebadet heftigst erbrach und ihn anschließend oder gleichzeitig mit starken Muskelschmerzen große Müdigkeit überfiel. Im ungünstigen Fall konnten die Pilzfreunde nicht mehr befragt werden, ob denn die Henkersmahlzeit wenigstens geschmeckt hätte. Das waren die unglückseligen Seelen, deren Müdigkeit endgültig geriet. Kurzum, seit 2001 ist der Grünling unter die bedrohlichen Arten des Waldes sortiert und als giftig eingestuft.

„Der Herbst bittet zu Tisch“, eine Kolumne mit einem ansprechenden, appetitanregenden Namen. Die Vereinigte Krankenkasse IKK hat sie in ihrer Mitgliederzeitschrift „Aktiv und Gesund“, Ausgabe 03/2010, publiziert und an ihre 1,6 Millionen Versicherten verschickt. Der Herbst bittet zu Tisch und auf dem Tisch der IKK liegt, respektive lag, der Grünling. Inzwischen hat die Kasse den Fehler bemerkt und ein weiteres Rundschreiben rausgeschickt: „Unserer externen Agentur ist ein bedeutsamer Fehler unterlaufen, der Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann.“ Bleibt zu hoffen, dass die Korrektur nicht zu spät kam. Wenn doch, fehlen der Kasse möglicherweise ein paar Beitragszahler. Was das für die Überlebenden bedeutet, kann man nur ahnen: Beitragserhöhung.

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