Welt : Kreidefelsen von Rügen sind abgestürzt

Andreas Frost[Sassnitz]

Am Wochenende ragten sie noch stolz in den Winterhimmel und lockten Winterwanderer an, jetzt liegen sie als nasse Pampe am Strand und im seichten Ostseewasser. Die „Wissower Klinken“ auf Rügen sind Regen und Frost zum Opfer gefallen und von der Steilküste südlich des 117 Meter hohen Königsstuhls abgebrochen.. Deutschlands größte Insel verlor damit über Nacht eine wichtige Touristen-Pilgerstätte. Über eine Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr in den Nationalpark Jasmund, auch um jene Aussicht zu genießen und zu fotografieren, die den Maler Caspar David Friedrich (1774 - 1840) zu seinem berühmten Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ inspiriert haben soll. Der in Greifswald geborene sechste Sohn eines Seifensieders war häufig Gast auf Rügen und einer der bedeutensten Landschaftsmaler der Romantik.

„Postkarten und Bildbände müssen nun wohl neu gestaltet werden“, sagte gestern Michael Weigelt, der Leiter des Nationalparks, und bleibt dabei gelassen. Eine Katastrophe sei der Absturz keineswegs. Eine Insel, die mit „Natur pur“ werbe, müsse auch ein undramatisches Naturereignis wie einen Kreidefelsabbruch verkraften: „So ist der Lauf der Welt.“ Um 50 000 Kubikmeter nasse Kreide „kümmert sich nun die Ostsee“, und die werde den Strand ein wenig weißer färben, sagt Weigelt. Risse hätten den Abbruch seit einem Jahr vorausahnen lassen. Regenwasser habe die Kreide zunehmend durchnäßt und schwer gemacht. Die Kälte hat ihr jetzt den Rest gegeben. Zum Lauf der Welt gehört wohl auch, dass die „Wissower Klinken“ als Caspar-David-Friedrich-Inspiration gelten, obwohl sie es kaum gewesen sein können. „Als er das Bild malte, waren sie noch mit Bäumen und Gras bewachsen“, weiß Weigelt.

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