Welt : Krenkingen ist gekränkt

In Max’ Heimat glaubt man an eine Verschwörung

Daniel Staffen

Waldshut-Tiengen - Das war eine Verschwörung. Etwas anderes ist kaum vorstellbar. Wie wäre es sonst möglich, dass ihr Max in Istanbul nicht gewonnen hat? Oder zumindest auf einem der vorderen Plätze gelandet ist? Maximilian Nepomuk Mutzke stammt aus Krenkingen – dem schönsten Ortsteil von Waldshut-Tiengen. So einer kann nicht einfach nur Achter werden. Zwölf Stunden zuvor ist die Welt in dem südbadischen 300-Seelen-Kaff noch in Ordnung. Bereits das Ortsschild ist ein Vorbote lokalpatriotischer Begeisterung: „Max-ingen“ steht da in großen Buchstaben. So drückt man hier also seinen Stolz aus. „So einen Glücksfall wie Max gibt’s für einen Ort selten“, sagt Hans-Dieter Schwenninger, Ortsvorsteher von Krenkingen. Er und alle anderen kennen Stefan Raabs Stimmwunder schon seit einer Ewigkeit. Alle haben sich immer gut mit ihm verstanden. Max, der ist eben ein richtiger Pfundskerl.

„Der Max, der war überall zu Hause", erinnert sich der 47-jährige Willi Thoma, ein Krenkinger durch und durch: „Es gab keine Familie, bei der er nicht mal zum Essen war.“ Den Max Mutzke, den hatte wirklich jeder gern. Wohin man auch geht, egal wen man fragt – über den berühmtesten Sohn des kleinen Dorfes weiß jeder nur Gutes zu berichten. Miese Aussichten für Boulevard-Reporter.

Szenenwechsel: 20.30 Uhr in der Waldshuter Altstadt. Aus allen Richtungen ziehen Besucherströme in die Kaiserstraße. Dorthin, wo die zwei riesigen Leinwände stehen. Sie alle wollen sehen, wie der Wunderknabe im fernen Istanbul alles klar macht. Mehr als 6000 Menschen drängen sich hier. Von so einem Ansturm hätte Max’ Funk-Band „Project 5“ nicht mal zu träumen gewagt. Erst als der Einspieler für Deutschland auf der Leinwand zu sehen war, wurde aus der Masse ein jubelnder Max-Fanblock. Jede Phrasierung löste ein ohrenbetäubendes Kreischen aus, jede Großaufnahme von Max „Augenbraue“ Mutzke wurde frenetisch beklatscht. „Er hat diesmal sogar seine Augen offen“, jubelte eine Frau.

Etliche Teilnehmer später ist man sich im Krenkinger Festzelt endgültig sicher: Max macht das Rennen. Als dann endlich die Punktevergabe beginnt, wird es plötzlich mucksmäuschenstill. Einige kauen nervös auf ihren Nägeln, andere wiederum halten sich krampfhaft an ihrer Max-Bierflasche fest. Doch dann beginnt für die eingeschworene Dorfgemeinschaft und deren Gäste das Fiasko. Während die Ukraine und einige andere Länder kräftig Punkte sammeln, bleibt für Max nur der Rest übrig. Auch das Festzelt wird leerer – obwohl noch nicht einmal alle Länder ihre Punkte abgegeben haben. Eine Kleinstadt trauert.

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