Kreuzfahrer vor Italiens Küsten : Gefährlicher Trend

Italiens Küsten bieten viele Anziehungspunkte für Touristen. Besonders gut sind sie von Bord der großen Kreuzfahrtschiffe zu vermarkten: heute Toskana, morgen Sardinien. Nach dem Unglück der Costa Concordia mehren sich aber kritische Stimmen.

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Gigant vor historischer Kulisse: Ein Kreuzfahrtschiff schiebt sich durch Venedigs Kanäle.
Gigant vor historischer Kulisse: Ein Kreuzfahrtschiff schiebt sich durch Venedigs Kanäle.Foto: rts

Es sieht aus wie ein umgefallener Wolkenkratzer, was sich da hinter dem Dogenpalast von Venedig entlang schiebt. Tatsächlich aber ist es eine Stadt auf dem Wasser. Die Superschiffe, mit denen heute Kreuzfahrten veranstaltet werden, sind sozusagen Las Vegas in Kleinformat, durchorganisiert bis ins kleinste Details und hoch kommerzialisiert. Kein Wunder, denn den Passagieren soll schließlich was geboten werden. Die Kulisse muss stets 1a sein und das Programm darf keine Tiefen und schon gar keine Pausen kennen.

Italiens berühmte Küstenstädte und die kleine Dörfchen in den malerischen Buchten kennen die Giganten mittlerweile nur zu gut. Durch den Boom der letzten Jahre tauchen immer mehr und immer größere Schiffe vor ihren Küsten auf. Meistens durchaus willkommen, denn wenn einer der Riesendampfer Station macht und die Kreuzfahrer auf das Festland ausspuckt, dann klingelt die Kasse. Tausende gut gefüllter Geldbeutel auf der Suche nach Souvenirs sind dann unterwegs und jeder Bürgermeister bricht in Entzücken aus.

Das Kreuzfahrt-Unglück vor der Toskana
Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
1 von 86Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Schattenseiten des Massentourismus

Allerdings ist in Italien im Zuge des Schiffbruchs der Costa Concordia eine Diskussion um die heiklen Manöver der riesigen Kreuzfahrtschiffe entbrannt. Zunehmend werden auch die Schattenseiten des Booms deutlich. Der Raubbau an der Natur, der alles fressende Massentourismus, durch den sich viele das Leben in den historischen Städten nicht mehr leisten können oder der ungefilterte Zustrom von Geschäftemachern, die die Geldströme an den lokalen Unternehmern vorbeilenken. Aus aller Welt strömen sie herbei, um ihren Teil vom fetten Kuchen Massentourismus abzubekommen. All diese negativen Aspekte wurden bereits vor der Katastrophe der Costa Concordia in Italien thematisiert. Jetzt bewegen sie aber große Teile der Bevölkerung. Denn am Ende geht es auch, wie so oft in Italien, um undurchsichtige Machenschaften der Entscheidungsträger.

Besonders betroffen vom Kreuzfahrt-Boom ist die Lagunenstadt Venedig. Für die Touristen ist die mehr als 1000 Jahre alte Kulturmetropole eine Art Disneyland am Mittelmeer. Früher fuhren die Venezianer hinaus und beherrschten mit ihren Schiffen das Mittelmeer. Heute passieren die riesigen Schiffe internationaler Reedereien die 1000 Jahre alte Basilika auf dem Markusplatz und den Dogenpalast teilweise in einem Abstand von nicht mal 50 Meter. Sie erscheinen wie ein Monument des Triumphs der Moderne über die Vergangenheit. Die Gebäude der historischen Stadt werden täglich mehrmals von den gewaltigen Schiffsschrauben in ihren Fundamenten erschüttert. Wenn die Ozeanriesen vorbeifahren fällt durch die elektromagnetische Strahlung in den anliegenden Häusern der Fernsehempfang aus. Gewaltige Menge Feinstaub überziehen Venedig aus den haushohen Schloten der Vergnügungsfabriken.

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