• Kriminalität: Lynchjustiz an Obdachlosem- langjährige Haftstrafen für Täter

Kriminalität : Lynchjustiz an Obdachlosem- langjährige Haftstrafen für Täter

Erst misshandelten sie den Obdachlosen, dann töteten und verstümmelten sie ihn auf unvorstellbare Weise: Das Landgericht Cottbus hat am Mittwoch zwei Männer für den grausamen Mord an einem 55-Jährigen zu je elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

CottbusDie Richter sprachen die 49 und 38 Jahre alten Angeklagten in einem zweiten Prozess erneut des Mordes schuldig. Danach sollen sie den wehrlosen Mann vor fast drei Jahren in einer Wohnung in Forst (Brandenburg) gequält und mit Messerstichen getötet haben. Danach schnitten sie ihm das Geschlechtsteil ab. Versuche, dem Opfer auch das Herz herauszuschneiden, seien fehlgeschlagen.

Die Männer wollten sich nach Überzeugung des Gerichts dafür rächen, dass der 55-Jährige angeblich den minderjährigen Sohn des älteren Beschuldigten sexuell missbraucht hatte. "Diese Tat grenzt an Lynchjustiz", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Fiedler in der Urteilsbegründung. Dass die Täter alkoholisiert waren, könne nicht strafmildernd bewertet werden.

Eine andere Kammer des Landgerichts Cottbus hatte die beiden Männer bereits im Mai 2007 wegen Totschlags zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt. Damals billigten die Richter den Angeklagten wegen deren Alkoholisierung eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Dem widersprach jedoch der Bundesgerichtshof (BGH) im Juni dieses Jahres. Der BGH hob das Urteil auf und wollte ein neues Strafmaß.

Das Trinkgelage endete in einem  Blutbad

Zum Abschluss des zweiten Prozesses zeigte sich das Landgericht überzeugt, dass die Angeklagten dem 55-jährigen Mann anfangs nur eine Abreibung für den angeblichen sexuellen Übergriff auf das Kind verpassen wollten. Doch als die Beschuldigten den Mann im Obdachlosenheim nicht antrafen, lockten sie den Ahnungslosen in die Wohnung des älteren Angeklagten. Dort hätten sie bewusst ein Trinkgelage veranstaltet, das in einem Blutbad endete. Das ganze Geschehen fotografierten die Täter - und erleichterten den Ermittlern damit die Arbeit.

Mit dem Urteil blieb das Gericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte 14 Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. "Diese Tat ist an Menschenverachtung kaum zu überbieten", sagte Staatsanwalt Horst Nothbaum in seinem Plädoyer. Die Angeklagten hätten ihr Opfer in eine Falle gelockt und sich dann vor der Tötung "planvoll alkoholisiert".

Die Verteidigung plädierte für eine milde Strafe, ohne ein konkretes Strafmaß zu beantragen. Nach ihrer Ansicht hatten sich ihre Mandanten, die seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft sitzen, vor der Tat nicht vorsätzlich betrunken. Der 49-jährige Beschuldigte sei alkoholkrank. Deshalb hatten sie erneut ein Gutachten zum Trinkverhalten des Mannes beantragt, was das Gericht aber ablehnte. (yr/dpa)


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