Kriminalität : Samba criminale

Der Karneval von Rio lässt sich von drohenden Polizeiaktionen gegen das organisierte Verbrechen nicht beeindrucken. Millionen von Menschen sind auf die Straße gegangen, um ausgelassen zu feiern.

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Da geht die Post ab: Karneval in Rio. -Foto: dpa

Rio de JaneiroÜberschattet von Drohungen der Polizei sind am Wochenende in ganz Brasilien Millionen von Menschen auf die Straßen gegangen, um den Karneval zu feiern. Kurz vor Beginn der weltberühmten Parade der Sambaschulen in Rio de Janeiro teilte die Bundespolizei mit, sie werde die Karnevalsorganisationen wegen illegaler Finanzierung durch Verbrechergruppen unter die Lupe nehmen. Seit Jahren wird vermutet, dass die Chefs des illegalen Wettspiels, die "Bicheiros", die finanzielle Stütze der Sambaschulen sind.

Der größten Party der Welt tut das vorerst keinen Abbruch. Der erste offizielle Umzug der besten Sambaschulen begann am Sonntagabend vor 90.000 Zuschauern im Stadion und Hunderttausenden auf den Straßen. Erst am Montag nach Sonnenaufgang sollte er zu Ende gehen. Tausende Beamte wurden auf Sonderpatrouille geschickt.

Auch die Teilnehmer am Samstag – die der zweiten Liga – gaben schon ihr Bestes: Die Gruppe, die von einem Richtergremium die meisten Punkte erhält, steigt in die Spitzenklasse auf. "Wir arbeiten das ganze Jahr für diesen einen Tag", sagte Fabio Ricardo, der für die Gruppe Acedémicos da Rocinha Entwürfe erstellt. "Das ist kein Spiel, das ist ein Wettbewerb, wie ein Marathon oder Olympia." Nicht zuletzt geht es dabei um Geld – während die zweitrangigen Gruppen von der Stadt umgerechnet 115 000 Euro erhalten, bekommen die der ersten Liga das Zehnfache, wie der Karnevalsdirektor von Rocinha, Pedro Aridio, erklärte. "Es kann ein ziemlicher finanzieller Schock sein, in die zweite Liga abzusteigen."

Der Karneval in Rio ist zwar der berühmteste, doch auch in anderen Städten Brasiliens wird groß gefeiert: Allein in der nordöstlichen Provinzhauptstadt Recife gingen am Wochenende mehr als 1,5 Millionen Menschen auf die Straßen. Der Umzug gilt als größtes Karnevalsfest der Welt. Eine Million Menschen tanzten und sangen in der Stadt Salvador bis zum frühen Sonntagmorgen.

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