Kriminalität : Unheimliche Mordserie fordert weiteres Opfer

In einer bundesweiten Mordserie an vorwiegend türkischen Kleinunternehmern ist ein 21 Jahre alter Internetcafé-Betreiber aus Kassel das neunte Opfer. In allen Fällen sei mit derselben Pistole geschossen worden - weitere Zusammenhänge sind unklar.

Kassel - Der 21 Jahre alte Türke wurde am vergangenen Donnerstag in seinem Geschäft von zwei Kopfschüssen tödlich getroffen. Dass der gewaltsame Tod des Mannes zu der Serie der anderen acht Fälle gehört, habe die Untersuchung der Projektile beim Bundeskriminalamt ergeben, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Kassel.

Seit September 2000 wurden in verschiedenen deutschen Städten Kleingewerbetreibende von Unbekannten erschossen. Die Opfer sind - mit einer Ausnahme - türkischer Herkunft. Einer der Toten, der Mitinhaber eines Schlüsseldienstes in München, war Grieche. Von den Tätern fehlt jede Spur. Im Zusammenhang mit einem der Morde - am 9. Juni vergangenen Jahres in Nürnberg - fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) nach zwei Radfahrern, die zur Tatzeit am Tatort, einem Dönerstand, gesehen wurden. Phantombilder der Männer hat das BKA ins Internet gestellt.

In allen Fällen wurden die Opfer mit einer tschechischen Pistole der Marke Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65 Millimeter getötet. Bei zwei Taten wurde ferner eine Pistole unbekannten Typs mit dem Kaliber 6,35 Millimeter eingesetzt. Die Sonderkommissionen in den Städten konnten bisher keine Querverbindungen zwischen den Taten oder den Opfern feststellen. Die Verbrechen ereigneten sich zwischen dem 9. September 2000 und dem 6. April 2006 in Nürnberg (drei Tatorte), Hamburg, München (zwei Tatorte), Rostock, Dortmund und Kassel.

Der in Kassel erschossene Internet-Café-Betreiber war Deutscher türkischer Abstammung. Als er getötet wurde, waren drei Männer im Alter von 14, 16 und 35 Jahren in den Telefonkabinen oder an den Internetstationen des Geschäfts. Bei der Vernehmung gab der 35- Jährige an, er habe einen dumpfen Knall gehört. Wegen des Straßenlärms und seines eigenen Telefonats habe er dem aber keine Bedeutung beigemessen. Die Männer stehen nicht unter Tatverdacht, da sie keine Schmauchspuren an den Händen gehabt hätten, sagte ein Polizeisprecher. (tso/dpa)

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