KRISE DER BILLIGFLIEGER : Kampf um den Kunden

Der Kerosinpreis hat sich im letzten Jahr nahezu verdoppelt. Er hat bei Billigfliegern einen deutlich höheren Anteil an den direkten Antriebskosten (ca. 40 Prozent) als bei traditionellen Airlines (ca. 30 Prozent). „Langfristig werden alle Fluglinien ihre Preise erhöhen müssen, auch wenn sie bis jetzt noch alles tun, um das zu vermeiden“, sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reise-Verbands.

Ryanair will in diesem Jahr auf den kompletten Jahresgewinn verzichten, um die Preise stabil zu halten. 430 Millionen Euro waren das im Jahr 2007. Einen Kerosinzuschlag soll es bei Ryan-Air auch in Zukunft nicht geben, verspricht Ryan-AirChef Michael O’Leary. „Der Kerosinzuschlag wird bei Ryan-Air stattdessen in höhere Preise einfließen“, prophezeit DRV-Präsident Klaus Laepple. „Die hohen Ölpreise könnten das Kerngeschäft der Lowcost-Airlines austrocknen“, sagt Gerd Pontius, Chef der Airline-Unternehmensberatung Prologis. Wer 248 Euro plus 10 Euro Service Pauschale für einen Flug nach Rom bezahlen müsse, überlege sich das zweimal, oder fahre gleich mit der Bahn. Außerdem schrumpfe der Markt an Spontanreisenden, die mal kurz zum Shoppen nach Mailand fliegen.

Können Billigflieger die Krise überhaupt überleben? „Nein“, sagt Unternehmensberater Gerd Pontius. „Jedenfalls nicht in der Form, wie sie heute existieren. Ehemalige Low-Cost-Airlines werden sich immer mehr zu Voll-Service-Airlines entwickeln und sich traditionelle Geschäftsmodelle, z. B. Charter Business, Vertrieb über Reisebüros, erschließen“, prognostiziert er. Für einige Airlines ist der Überlebenskampf schon schlecht ausgegangen: Bereits in den vergangenen sechs Monaten stellten gut zwei Dutzend Gesellschaften ihren Dienst ein. Der Easyjet-Deutschland-Chef John Kohlsaat geht sogar davon aus, dass es nach einem Selbstreinigungsprozess in Europa nur noch fünf Fluggesellschaften geben wird: Neben seiner eigene und dem Konkurrenten Ryanair noch British Airways, Air France/KLM, Lufthansa.

Für Unternehmensberater Pontius ist diese Vision nicht unwahrscheinlich: „Die kapitalstarken Airlines werden die aktuelle, allgemeine Schwächephase nutzen, um sich am Markt durchzusetzen.“ Seiner Ansicht nach wird die wird die deutsche Lufthansa ohne Zweifel als großer Gewinner aus der Krise hervorgehen. Die Lufthansa habe die Kapitalkraft, fast jeden Markt für sich zu erschließen. Außerdem profitiere sie von der Schwäche der amerikanischen Airlines. Das einzige Fragezeichen liege hinter den möglichen Plänen der arabischen Fluggesellschaften in Europa, die die Gunst der Stunde ebenfalls nutzen könnten.

Pontius erwartet Streckenstilllegungen bei allen Fluglinien. „Nur doch die rentablen Strecken werden erhalten“, prognostiziert DRV-Präsident Laepple. Außerdem würden die Airlines mit immer weniger Flugzeugen antreten. Auch die Erhöhungen bei den Ticketpreisen werden weitergehen, meint Pontius. Um mindestens fünf Prozent pro Jahr. Ohne Kerosinzuschlag. Aufschläge sind die letzte Hoffnung der Billigflieger. Schon jetzt sind neben dem Treibstoffzuschlag Buchungs- und Gepäckgebühren oder Serviceentgelte für die Sitzplatzreservierung sowie Entgelte für die Bezahlung mit Kreditkarte an der Tagesordnung.

72,4 Prozent der Deutschen wollen einer aktuellen Umfrage des Deutschen Tourismusverbandes zufolge ihren Urlaub deshalb lieber in Deutschland verbringen. Das sind 6,8 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Sarah Elsing

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