Welt : Krude Geschichten pflastern ihren Weg

Die Hollywood-Autorin mit den Klon-Pitbulls soll früher einen Missionar vergewaltigt haben

Christian Tretbar[London]

Aus Liebe zu einem verstorbenen Pitbull einen Nachfolger zu klonen ist schon außergewöhnlich genug. Genau damit war die Hollywood-Drehbuchautorin Bernann McKinney vergangene Woche in die Schlagzeilen geraten. Die 57-jährige Amerikanerin hatte in einem südkoreanischen Labor gleich fünf Pitbulls klonen lassen – von einem abgeschnittenen Ohr ihres verstorbenen Hundes. Die Fotos der Frau, wie sie einen der Hunde knuddelt, gingen um die Welt. Und riefen bei manchem eine alte Geschichte in Erinnerung. Denn Bernann McKinney ist möglicherweise gar nicht Bernann, sondern Joyce McKinney. Eine ehemalige Schönheitskönigin, die in ein Verbrechen in England verwickelt war, das Ende der siebziger Jahre in Großbritannien großes Aufsehen hervorrief.

Der „Guardian“ und andere Blätter haben die Geschichte jetzt wiedererzählt. Im Herbst 1977 zog der Mormonen-Missionar Kirk Anderson aus Utah im englischen Ewell von Tür zu Tür. Was er nicht wusste, war, dass er schon seit langem von Joyce McKinney verfolgt wurde. Die junge Frau aus North Carolina kannte Anderson aus College-Zeiten und war, wie sie später sagte, so verliebt in Anderson, dass sie „nackt auf Skiern den Mount Everest heruntergefahren wäre für ihn“. Sie wollte ein Kind von ihm. Doch die Liebe schien nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen. McKinney folgte Anderson heimlich nach England, wo sie ihn dann mit ihrem Komplizen Keith May in Ewell entführte. Sie betäubten ihn mit Chloroform und verschleppten ihn in ein altes Landhaus aus dem 17. Jahrhundert. Dort sei er mit mehreren Handschellen an ein Bett gefesselt worden und zum Sex mit Joyce McKinney gezwungen worden. Nach einiger Zeit der Gefangenschaft habe er einer Heirat zugestimmt, um von den Fesseln loszukommen. Er sei geflohen und habe die Polizei alarmiert. Später vor Gericht kamen Zweifel auf, ob der deutlich größere Anderson wirklich hilflos gewesen ist. McKinney und May wurden zu Haftstrafen verurteilt. Doch schon nach drei Monaten kamen beide auf Kaution frei und flohen mit falschen Pässen und getarnt als Mitglieder einer Pantomime-Gruppe nach Kanada.

Warum wurde ihre Spur nicht weiterverfolgt? „Wir hatten alle genug von ihr“, sagte der damalige Leiter der Ermittlungen, William Hucklesby, jetzt der „Times”. Joyce McKinney zog nach Minneapolis, wo auch Bernann herkommt. Gegenüber dem „Daily Telegraph“ bestreitet Bernann zwar, dass sie Joyce sei. Andere Blätter berichten aber, Urkundenabgleiche hätten ergeben, dass es sich bei Joyce und Bernann um ein und dieselbe Person handle.

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