Kuba im Wandel : Reformen sind Fidels Geburtstagsgeschenk

Fidel Castro hat in Kuba das kommunistische Modell fünf Jahrzehnte am Leben gehalten. Jetzt wird er 85, ist im aktiven Ruhestand und erlebt, wie auch in Kuba an den Grundfesten des Sozialismus gerüttelt wird.

Der Geist der Revolution ist noch lebendig. Auch die jüngsten Maßnahmen ändern daran nichts. Die Regierung sieht in ihnen keine grundlegende Reform, sondern eine Weiterentwicklung des Sozialismus.Alle Bilder anzeigen
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18.10.2010 15:59Der Geist der Revolution ist noch lebendig. Auch die jüngsten Maßnahmen ändern daran nichts. Die Regierung sieht in ihnen keine...

Solche Töne, aus diesem Land... wer hätte das für möglich gehalten. „Unser schlimmster Feind ist nicht der Imperialismus, und noch weniger sind es dessen Söldner auf unserem Boden, sondern es sind unsere eigenen Fehler“, sagte Präsident Raúl Castro (80) vor wenigen Tagen. Nicht das sozialistische System trägt die Schuld am wirtschaftlichen Niedergang, so lautet die Botschaft, die Menschen sind das Problem. Denn der Sozialismus ist zukunftsfähig, man muss ihn nur „aktualisieren“.

Raúls älterem Bruder Fidel Castro, der am 13. August 85 wird, wäre es Zeit seines Leben nicht im Traum eingefallen, eigene Fehler einzuräumen. Zwar gestand er im September des vergangenen Jahres, das kubanische Modell tauge nicht mehr, aber nur um kurz darauf zu behaupten, der Sinn seiner Worte sei gewesen, dass der US-Imperialismus am Ende sei. Denn am Elend Kubas sind seiner Meinung nach allein die USA schuld, die den kleinen kommunistischen Inselstaat in der Karibik mit Sanktionen in die Knie zwingen wollten.

Der am 13. August 1926 geborene Fidel Castro Ruiz hatte seine revolutionären Absichten schon als junger Mann mit den Worten verteidigt: „Die Geschichte wird mich freisprechen.“ Und damit gewissermaßen im Vorgriff auch Härten und Fehler seiner eigenen Herrschaft gerechtfertigt, von denen es einige gibt. Bis in die jüngste Vergangenheit räumte er seinem politischen Projekt Vorrang vor wirtschaftlichen Notwendigkeiten ein und verlangte von seinen Landsleuten stets, den Gürtel enger zu schnallen.

2005 etwa erklärte er, die Tage des Zuckeranbaus, dem die Insel einst ihr Wohlergehen verdankte, seien gezählt. Kurze Zeit später, als Brasilien damit begann, aus Zuckerrohr Treibstoff zu machen, legte Fidel den Hebel wieder um - zu spät, da lag die kubanische Zuckerindustrie bereits am Boden.

Auch aus seiner Abneigung gegen Handys, Computer und moderne Haushaltsgeräte machte er keinen Hehl. Das alles sei nur dazu da, um den internationalen Konzernen Geld und Macht zu verschaffen und um damit immer wieder neue Dinge zu erfinden. „Hat denn diese Art von Existenz, die der Imperialismus verspricht, irgendeinen Sinn?“ fragte er noch 2008 bei einer Veranstaltung mit Intellektuellen.

Doch viele Kubaner teilen diese Haltung nicht. Die Veränderungen sind im Straßenbild nicht zu übersehen. Vor den staatlichen Telefon- und Handyläden bilden sich stets lange Menschenschlangen. Händler verkaufen CDs, Andenken, Bilder, Obst und sonstige Lebensmittel, seit der Straßenhandel erlaubt wurde. Es öffnen immer mehr private Restaurants, Imbissstände, Friseurläden. Häuser werden in Privatinitiative renoviert.

Die Diktatur des Vorgängers Fulgencio Batista hat Castro beendet. Aber alle Kubaner sind gleich arm geworden. Ihr durchschnittlicher Monatsverdienst liegt derzeit bei umgerechnet 10 Euro. Dennoch ist der bärtige Comandante zu einem Übervater der Kubaner geworden. Für seine Verehrer ist er eine Persönlichkeit, die ein Volk nur einmal in Jahrhunderten hervorbringt. Für seine Gegner war er ein Diktator, der Andersdenkende zum Schweigen und das Land an den Bettelstab brachte. Castro hatte oft Glück. Er entging zahlreichen Anschlägen. Und als das sowjetische Imperium, mit dem sich Kuba gegen die USA verbündet hatte, Anfang der 1990er Jahre untergegangen war, trat Venezuela mit seinem Präsidenten Hugo Chávez an die Seite Kubas und übernahm die Rolle Moskaus. Die Freundschaft basiert vor allem auf einer gemeinsamen Ablehnung der USA. Venezuela zahlt mit Öl-Dollars und Kuba steuert die menschliche Energie bei: Ärzte, Lehrer und die Erfahrungen des ewigen Revolutionärs.

Letztere sind aber nicht mehr gefragt. „Wenn wir so weitermachen und die Fehler nicht korrigieren, gehen wir unter“, warnte Raul Castro im Dezember des vergangenen Jahres. Auch die von Fidel eingefädelte Abhängigkeit von den venezolanischen Vergünstigungen dürfte den Verantwortlichen Sorgen bereiten. Deshalb hat Raul längst damit begonnen, die Fühler auch nach anderen Ländern auszustrecken: nach China, Russland, Brasilien und nach Europa.

Die Bedrohung durch die USA war für Fidel stets der Hebel, sein Land in einer Art Ausnahmezustand zu halten und Änderungen zu verhindern. Noch im vergangenen Jahr wurde er nicht müde, vor einem von den USA verschuldeten Atomkrieg zu warnen.

Die Jugend in Kuba scheint sich davon nicht mehr beeindrucken zu lassen. Zwar mussten ihm die Epigonen versprechen, die Revolution fortzusetzen. Doch ein junger Kubaner erklärte seine Erwartungen mit den Worten: „Der Sinn von Revolutionen ist, dass sich etwas ändert.“ Das geschieht zur Zeit in Kuba. (dpa)

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