Welt : Kühle Blonde mit Gefühl

Die Schauspielerin Barbara Rudnik verlieh ihren Rollen Tiefe und Geradlinigkeit / Jetzt starb sie an Brustkrebs

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München - Es war die Rolle der kühl-gefassten Frau in schwierigen Lebenslagen, die Barbara Rudnik nahezu perfekt beherrschte. Ob als abgearbeitete Festzelt- Bedienung im Kinofilm „Oktoberfest“, als Willy Brandts Ehefrau Rut im ARD- Zweiteiler „Schatten der Macht“ oder als Polizeipsychologin in der ZDF-Krimiserie „Solo in Schwarz“ – stets verlieh die Schauspielerin ihren Figuren Geradlinigkeit und Tiefe. Mit diesen Tugenden imponierte sie auch privat bis zuletzt, als sie schon schwer gezeichnet war vom heimtückischen Krebs. Am Samstag starb die Mimin in einem Krankenhaus im Beisein von Freunden und Familie. Am 27. Juli wäre Barbara Rudnik 51 Jahre alt geworden.

Dem ersten Anschein nach war sie die kühle Blonde, doch beim zweiten Blick wurde schnell klar, dass sich hinter dem souveränen Äußeren starke Gefühle, Verletzlichkeit und eine besondere erotische Ausstrahlung verbargen. Die typischen Klischees der mädchenhaften, gefühlvollen Frau erfüllte sie nicht. Stattdessen interessierte sie sich für sogenannte Männerdinge: „Schon als Kind war ich lieber auf dem Hof, wo die Autos repariert wurden, und nicht in der Küche bei den Frauen, die Speisen herrichteten“, schrieb sie einmal in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Ihre ersten Schritte beim Film machte Rudnik in München, wohin sie 1976 nach der mittleren Reife in Kassel gegangen war. Filmhochschüler entdeckten die hübsche Tochter eines Drehers und einer Näherin und engagierten sie für ihre Streifen. 1982 war sie in Beate Klöckners Film „Kopfschuss“ bei den Filmfestspielen in Cannes zu sehen. Auch in Münchner Off-Theatern trat sie immer wieder auf. Es folgten Rollen in Filmen wie „Tausend Augen“ von Hans-Christoph Blumenberg, „Der Unsichtbare“ von Ulf Miehe und französischen Streifen wie „Douce France“. Bald wurde die blonde Schauspielerin mit den blau- grauen Augen, den hohen Wangenknochen und der starken Ausstrahlung als neue Lauren Bacall gefeiert.

Ihre Kinder- und Jugendjahre im Hessischen kann Rudnik nicht verleugnen, trotz der vielen Jahre in Bayern. „Münchnerin werde ich nie“, sagte sie. Doch die Bayern haben sie trotzdem ins Herz geschlossen. Die Polizei des Freistaats verlieh ihr im April 2007 die Würde als Ehrenkommissarin und beschenkte sie mit Polizeimütze und Schulterklappen.

Wie viel Disziplin Rudnik bei der Arbeit aufbrachte, wurde im April vergangenen Jahres klar, als sie ihre Brustkrebserkrankung öffentlich machte. „Ich habe mir die bösartigste Krebsart ausgesucht, die es gibt“, sagte sie damals der „Bunten“. Die Chemotherapie schlug an, doch drei Monate später kehrte die tückische Krankheit zurück. Weitere Behandlungen folgten, die Rudnik schwer zu schaffen machten. Von der Arbeit ließ sie sich aber nicht abhalten. Tapfer drehte sie trotz Krankheit Filme wie Til Schweigers Erfolgskomödie „Keinohrhasen“, den ZDF-Psychothriller „Der fremde Gast“ oder Folgen der ARD-Krimireihe „Commissario Laurenti“.

Auch öffentlich ließ sie sich nichts anmerken. Fast eineinhalb Jahre konnte sie ihre Krankheit geheim halten, von der sie Ende 2005 erfahren hatte. Statt sich von der Krankheit und den düsteren Gedanken unterkriegen zu lassen, ging die Schauspielerin offensiv damit um. „Heute lebe ich bewusster und glücklicher als vor drei Jahren, weil ich jeden Tag genieße“, vertraute sie Anfang 2008 der „Bunten“ an. „Ich habe in mir eine ungeheure Lebenslust entdeckt, die viel zu lange verschüttet war.“ dpa

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