Welt : Künstler der Wiederkehr

Auch in der Krise der Mode bleibt Giorgio Armani ein erfolgreicher Designer – heute wird er 70

Grit Thönnissen

Am Anfang seiner Karriere nahm er etwas weg: Giorgio Armani entfernte aus dem Jackett Futter, Einlagen und Schulterpolster. So dass nicht mehr das Kleidungsstück dem Körper die Form gab, sondern es die Bewegung des Körpers nachzeichnete. Die „Giacca destrutturata" war sein Bravourstück. Das war vor fast 30 Jahren: 1975 gründete der Modedesigner mit einem Startkapital von umgerechnet 10000 Euro die Marke Armani. 134 Millionen Euro verdiente er mit seinem makellosen, eleganten Design italienischer Tradition im vergangenen Jahr.

Revolutionen lässt er andere machen: Giorgio Armani macht Geschäfte. Und doch widmete ihm das New Yorker Guggenheim-Museum im Jahr 2000 die erste Einzelausstellung für einen Modedesigner. Sie war im vergangenen Sommer auch in Berlin zu sehen. Sowohl die Ausstellung wie auch die Eröffnungsparty waren ein Riesenspektakel.

Kaum einem Designer wird soviel Respekt gezollt wie Giorgio Armani – und das nicht nur als einem der reichsten Männer Italiens, sondern auch als Kreateur. Seinen Stil hat er schon ganz am Anfang seiner Karriere gefunden, und seitdem verfeinert er ihn jede Saison aufs Neue. „Man darf nie denken, es sei schon alles erfunden worden. Ein dunkelblaues Kostüm ist immer noch wandelbar."

So paradox es klingt: Das wofür andere Designer verachtet werden, nämlich die Wiederkehr des Ewiggleichen, hat er zur Kunstform erhoben.

Armani wird vor allem außerhalb der Modebranche geliebt, verehrt und vor allem verstanden. Er hat seine Kundinnen mit seinen Entwürfen noch nie vor den Kopf gestoßen, mit Opulenz verwirrt oder mit Avantgarde irritiert. Gianni Versace sagte einmal: „Er entwirft ein Kostüm pro Jahr, ich aber tausend" – um letztlich ähnlich viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Nicht ganz unwichtig für Armanis Erfolg ist die Tradition des Modehandwerks in Italien. Hochwertig verarbeitete Bekleidung „Made in Italy" wurde Ende der 70er zu einem Exportschlager und Armani verkörperte diesen Erfolg. Noch heute lässt Armani 99 Prozent seiner Produkte in seinem Heimatland herstellen.

In den 80-er Jahren war der Armani-Anzug der Inbegriff des Modischen. Nicht umsonst gilt die Anfangssequenz des Hollywood-Films „American Gigolo", in der Richard Gere vor einem geöffneten Kleiderschrank voller Armanianzüge steht, als Schlüsselszene dieses Jahrzehnts. Auch im wahren Leben bekannten sich bald Hollywood-Stars begeistert zu Armani.

Endlos ist die Reihe derer, die in seinen Abendkleidern und Anzügen über den roten Teppich zur Oscarverleihung schritten, unter ihnen Kevin Costner, Tom Cruise, Lauren Hutton und Glenn Close. Auch bei der diesjährigen Feier wurde die Frage „Was tragen sie?" zahlreich mit „Armani" beantwortet.

Giorgio Armani wurde am 11. Juli 1934 im norditalienischen Piacenza geboren. Er begann seine Karriere nicht als Designer: Als Schaufensterdekorateur im Mailänder Kaufhaus Rinascente kam Armani das erste Mal mit Mode in Berührung, nachdem er sein Medizinstudium abgebrochen hatte. Bald wurde er zum Einkäufer befördert. Ab 1961 arbeite der Autodidakt für Nino Cerruti, aber erst als Einkäufer, später entwarf er die Herrenbekleidung. 1970 machte er sich mit einem Designstudio selbstständig, erst als er sich 1975 mit Sergio Galeotti zusammentat, hatte seine Mode Erfolg. Im Jahr 2000 ging er ein Joint-Venture mit dem Textil- und Bekleidungshersteller Zegna ein. Inzwischen beschäftigt Armani über 4000 Mitarbeiter, weltweit gibt es mehr als 200 Armani-Boutiquen. Da der Designer keine Kinder hat, ist seine Nachfolge offiziell noch ungeklärt.

Für Armani brachten die 80-er Jahre nicht nur kommerziellen Erfolg, sondern auch persönliche Tragik: 1985 starb sein Lebens- und Geschäftspartner Sergio Galeotti. Seitdem ist Armani auch Manager seines Modeimperiums. Es scheint, als habe er bis heute nicht mehr viel anderes getan, als zu arbeiten. Inzwischen gehört ihm das größte Privatgeschäft Italiens. Einen ganzen Straßenblock lang reihen sich neben den Läden für seine Mode und Accessoires Armani fiori (Blumen), Armani casa (Interior), Armani dolci (Süßigkeiten), Armani libri (Bücher) und mehrere Cafes aneinander.

Und auch wenn er heute seinen 70. Geburtstag feiert, wird sich an seinem Lebensstil so schnell wohl nichts ändern: Bis 2007 plant Armani die Eröffnung von 15 Luxus-Hotels und Ferienanlagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben