• Künstliche Befruchtung erleichtert Privatkassen müssen auch für zweites Kind zahlen

Welt : Künstliche Befruchtung erleichtert Privatkassen müssen auch für zweites Kind zahlen

Jost Müller-Neuhof

Karlsruhe/Berlin - Immer mehr Paare sind ungewollt kinderlos. Doch während die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen zur künstlichen Befruchtung im vergangenen Jahr gleichwohl gekürzt wurden, steigen die Chancen privat Versicherter auf Kostenübernahme: Die Privaten müssen sogar dann zahlen, wenn die Paare bereits ein Kind haben. Dies geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Mittwoch hervor.

Geklagt hatte ein Ehepaar, das mit Hilfe der so genannten In-vitro-Fertilisation (IVF) bereits einen Sohn gezeugt hatte. Das Paar unternahm daraufhin zwei weitere Versuche, noch ein Kind zu bekommen. Dies gelang jedoch nicht. Die Kosten dafür – regelmäßig sind es mehrere tausend Euro – wollten sie sich von ihrer Versicherung ersetzen lassen.

Der BGH gab den Eheleuten Recht. Anders als der Versicherer argumentierte, sei die Kinderlosigkeit nicht durch das erste Kind gelindert. Kinderlosigkeit ist gar keine Krankheit, urteilte das Gericht. Ein Krankheitsfall – der den Versicherer zur Zahlung verpflichtet – sei allein die „auf körperlichen Ursachen beruhende Unfähigkeit, auf natürlichem Wege Kinder zu zeugen“. Der Wunsch nach einem zweiten Kind sei dagegen „jeder rechtlichen Nachprüfung entzogen“.

Dennoch können die Eltern die Versuche nicht endlos wiederholen. Die Versicherungen müssten nur zahlen, wenn die IVF als Heilbehandlung notwendig sei. Diese sahen die Richter bei Frauen über 40 Jahren statistisch nicht mehr gegeben. Bei Frauen jenseits dieses Alters sinke die Wahrscheinlichkeit, nach dem Embryotransfer schwanger zu werden, auf unter 15 Prozent. Eine derart unsichere Behandlung müssen die Versicherer nicht finanzieren, allerdings müsse dies in jedem Einzelfall nach mehreren Kriterien beurteilt werden, so die Richter. Neben der Gesundheit der Frau spielten dabei etwa auch die Qualität von Spermien und Eizellen eine Rolle. Den Antrag der 45-jährigen Klägerin, ihr noch acht weitere Behandlungszyklen zu zahlen, wiesen die Richter deshalb ab.

Privat Versicherte sind damit grundsätzlich besser gestellt als Kassenpatienten. Bei diesen galt schon zuvor, dass es nicht darauf ankommen darf, ob sie schon Kinder haben. Die Altersgrenze von 40 Jahren gibt es hier wie dort, allerdings kommen die Kassen seit vergangenem Jahr nur noch für drei IVF-Versuche auf – und hier zahlen sie nur die Hälfte der Kosten. Jahr für Jahr kommen rund 25 000 Kinder nach einer IVF-Behandlung zur Welt. Durch die Gesundheitsreform, so schätzen Experten, werden es künftig bis zu 10 000 Kinder weniger sein.

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