Kulinarischer Wahlkampf in den USA : Die Küchenschlacht ums Weiße Haus

Donald Trump isst fast nur Burger und Tacos, Clinton bevorzugt Obst und Salate. Beim Kampf ums Weiße Haus werden auch die unterschiedlichen kulinarischen Vorlieben in Szene gesetzt.

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Zum Geheimnis seiner guten Gesundheit sagt Donald Trump: "Ich esse einfach, was ich will."
Zum Geheimnis seiner guten Gesundheit sagt Donald Trump: "Ich esse einfach, was ich will."Foto: AFP

Wenn Donald Trump nach einem anstrengenden Tag im US-Wahlkampf in seinen Privatjet steigt und nach Hause fliegt, wartet in der Luxuskabine seiner 100 Millionen Dollar teuren Boeing 757 das Essen auf ihn. Doch obwohl sich der Milliardär hoch dotierte Chefköche und erlesene Spezialitäten leisten könnte, besteht die Kost häufig aus Fast Food. Seine Rivalin Hillary Clinton dagegen setzt auf frisches Obst und scharfe Chili-Schoten.

Big Macs und Viertelpfünder seien „große Klasse“, sagte Trump Anfang des Jahres im Nachrichtensender CNN. Vor wenigen Wochen veröffentlichte er auf Twitter ein Foto, das ihn beim Abendessen in seinem Flugzeug zeigte: ein ganzer Eimer gebratener Hähnchenstücke und eine Cola von Kentucky Fried Chicken. Hin und wieder isst er Tacos, um sich trotz seiner Forderung nach Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze zur Abwehr illegaler Einwanderer bei den hispanischen Wählern beliebt zu machen.

Mit seiner Ernährung liegt der Populist Trump ganz auf der Linie seiner Anhängerschaft. Diese besteht mehrheitlich aus weißen Männern aus mittleren oder niedrigen Bildungsschichten – und sie hat möglicherweise ähnliche Essgewohnheiten wie ihr Idol. Das Institut Gallup stieß bei einer Untersuchung weißer Republikaner auf das Ergebnis, dass Trump in Gebieten mit hohen Raten von Fettleibigkeit besonders viele Wähler hat.

Frisches, Gesundes oder gar Vollwertiges sucht man auf Trumps Speiseplan vergeblich. Mal komme sein Essen von Ketten wie Wendy’s und McDonald’s, mal lasse er sich Eier und Speck servieren, beobachtete die Zeitung „Chicago Tribune“: Trump esse wie ein Teenager. Aber sind die wenigsten Teenager so strikte Anti-Alkoholiker wie der Kandidat. Auch Nudeln und Steak gehören zu Trumps Favoriten. Ein paar Kekse oder Kirsch-Vanilleeis für zwischendurch und die Diät-Cola sind immer in Griffweite. Trump habe sich offenbar das Ziel gesetzt, Amerikas erster „Fast-Food-Präsident“ zu werden, kommentierte die „New York Times“.

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Kochen gegen Trump: Muslimische Food-Bloggerin in den USA
Kochen gegen Trump: Muslimische Food-Bloggerin in den USA

Schon in ihrer Zeit als First Lady war Clinton als gesundheitsbewusst bekannt

Damit könnte der Gegensatz zu Hillary Clinton kaum größer sein. Wie Trump ist auch Clinton auf Wahlkampfreisen den ständigen Verführungen von Snacks und Süßigkeiten ausgesetzt. Doch die ehemalige First Lady und Außenministerin isst Obst zum Frühstück und schwört, dass eine frische Chili-Schote pro Tag ihr Immunsystem stärkt. Für den kleinen Kick zwischendurch greift sie zu einer feurigen Chili-Soße der Marke „Ninja Squirrel“. Kekse und Kuchen überlässt sie auf Wahlkampfreisen meist ihren Mitarbeitern. Außerdem entscheide sich die 68-jährige bei Mahlzeiten häufig für Salat, berichten die Zeitungen.

Schon in ihrer Zeit als First Lady war Clinton als gesundheitsbewusst bekannt. Sie ließ Soja-Burger servieren und lud den Lifestyle-Mediziner Dean Ornish, der eine gesunde Ernährung als Versicherung gegen Herzkrankheiten propagiert, in den Präsidentensitz ein. Medienberichten zufolge findet die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten trotz Wahlkampfstress noch Zeit für Yoga und zügige Spaziergänge zum Ausgleich für das viele Sitzen im Bus und im Flugzeug.

Bild mit klarer Botschaft: Gesund soll’s sein für Hillary Clinton.
Bild mit klarer Botschaft: Gesund soll’s sein für Hillary Clinton.Foto: REUTERS

So ganz kann aber auch Hillary Clinton den weniger gesunden Lebensmitteln nicht entfliehen. Schwarzer Kaffee und Rührei gehören Medienberichten zufolge zu ihren treuen Begleitern. Damit unterscheidet sie sich von ihrem Ehemann und Ex-Präsidenten Bill Clinton, der früher ähnlich ungehemmt Fettes und Süßes aß wie Trump heute, nach diversen Herzoperationen aber zum Veganer wurde.

Schon seit Jahrzehnten sind die Essgewohnheiten amerikanischer Spitzenpolitiker für die Öffentlichkeit ein faszinierendes Thema. Der scheidende Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle sind als besonders progressiv und fitness-süchtig bekannt und ließen neben dem Weißen Haus einen Gemüsegarten anlegen. Obama hält sich meistens von Fast Food fern und ist so diszipliniert, dass er nach den Worten von Mitarbeitern bei Snacks im Weißen Haus genau sieben leicht gesalzene Mandeln isst.

Ronald Reagan naschte gerne Zuckerkapseln der Marke Jelly Beans, Jimmy Carter griff zu Erdnüssen, George Bush der Jüngere entspannte vor dem TV mit salzstangenartigem „Pretzl“-Gebäck – bis er sich eines Tages an einer „Pretzl“ so heftig verschluckte, dass er ohnmächtig wurde und vom Sofa rutschte. Bushs Vater hasste Blumenkohl, Brokkoli und Rosenkohl mit einer solchen Verve, dass er an seinem 60. Geburtstag seiner Frau Barbara sagte, ab sofort werde er das Gemüse nicht mehr anrühren. Mit dieser Verachtung für Grünes lag Bush der Ältere nahe bei Trump, der trotz seiner einseitigen Ernährung Ende 2015 von seinem Leibarzt für kerngesund erklärt wurde. Das Geheimnis seiner guten Konstitution fasste der Milliardär so zusammen: „Ich esse einfach, was ich will.“

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