Welt : Kunstfälschern auf der Spur: Lauter Banden

Rolf Brockschmidt

Botticelli, Van Eyck, Raffael, Rembrandt, Vermeer, Constable, van Gogh, Monet, Seurat, Picasso sind nur einige Namen bedeutender Maler, die in dem kleinen Stadtmuseum ausgestellt sind. Die Crème de la Crème der europäischen Malerei, insgesamt 34 ausgesuchte Meisterwerke. Das Museum ist um diese Schätze zu beneiden. Wirklich? Ein ananoymer Anrufer löst Chaos und Entsetzen aus: 30 dieser 34 Bilder sind Fälschungen. Nur vier Gemälde sind echt. Der Museumswärter Maler ist entsetzt. Was tun? Wenn das herauskommt! Ein Skandal! Er braucht Hilfe. Einen Detektiv. Und der ist der Leser von "Kunstfälschern auf der Spur", einem sehr intelligent und spannend gestalteten Bildband zum Thema Original und Fälschung.

Die Idee ist nicht neu, signifikante Unterschiede bei Gemälden herauszufinden, aber Anna Nilsen hat sie zu einem spannenden Buch weiter entwickelt. Es gilt nämlich nicht nur, die Fälschungen in dem imaginären Museum zu entdecken, sondern auch die Fälscher zu entlarven. Dazu gehören zum Beispiel Kurt Kabeljau und Sabine Seelachs von der Fischbande, Fred Flamingo und Terence Tukan von der Vogelbande, Susu Sirius und Paula Pollux von der Sternbande und Matteo Mimosa und Leonie Linde von der Baumbande. Jede Bande hat ein Zeichen, das sie im Gemälde versteckt hat. Jeder der sechzehn Fälscher - einer ist der anonyme Anrufer, den es ebenfalls herauszufinden gilt - hat jeweils immer die gleiche Zahl von Veränderungen vorgenommen.

Mit Hilfe eines Fahndungsplakates und dieser Hinweise lassen sich die Bilder als Fälschungen entlarven und den Fälschern zuordnen. Damit das auch funktioniert, bekommt der Detektiv einen Katalog des Museums in die Hand mit nützlichen Informationen zu den Bildern. Dieser Katalog, ein Buch im Buch, lässt sich separat von dem Gang durch die Ausstellung gleichzeitig durchblättern. Unten der Katalog, oben die Bilder des Museums. Zu allem Überfluss ist auch noch die Reihenfolgen der Bilder völlig durcheinander gewürfelt, so dass man sich beim Blättern beinahe unwillkürlich die Bilder einprägt. Die Texte zu den Gemälden sind knapp und allgemein verständlich gehalten. Als Zugabe gibt es für die jungen Detektive eine kleine Lupe, die das Aufspüren der Fehler erleichtert. Dies alles wird in einer kurzen Bildgeschichte vom Museumswärter Maler erläutert, und die Auflösung darf am Ende natürlich nicht fehlen.

Wer Spaß an dieser Art Rätsel hat, wird schnell süchtig. Auf einer Liste werden die Bilder mit Titel und Fälscher notiert, Irrtümer nicht ausgeschlossen, wenn plötzlich drei Bilder in einer Kategorie stehen. Dann hat man wohl irgendwo einen Fehler übersehen. Noch mal von vorn und die Ergebnisse überprüfen. Das schult den Blick und führt in den Gemälden auch zu mancherlei Entdeckungen.

Anna Nilsen ist ein prächtiges Kunstbuch gelungen, das einerseits exzellente Malerei präsentiert, die Rahmenhandlung aber optisch im Stil von Computerspielen hält, so dass auch ein breiteres Publikum angesprochen wird. Das glückliche Museum ist übrigens in Wirklichkeit viel größer und besitzt all diese wertvollen Gemälde. Die National Gallery in London hat die Gemälde für diesen spannenden Kunstkrimi zur Verfügung gestellt.

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