Kunstfälschungen : Lager mit 1.000 falschen Giacomettis entdeckt

Ermittlern aus Baden-Württemberg ist ein spektakulärer Schlag gegen Kunstfälscher gelungen. Drei mutmaßliche Täter wurden festgenommen.

Rund 1.000 Werke des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901-1966) entdeckte die Polizei in einem Lager in Mainz. Bronzen waren darunter und Gipsarbeiten - und keine einzige der Plastiken war echt.  Auch gefälschte Herkunfts- und Echtheitszertifikate stellten die Beamten bei der großangelegten Aktion sicher. Durchsuchungen gab es in Mannheim, Mainz, Schwerin, im Großraum München und in Magdeburg. Festgenommen wurden drei mutmaßliche Fälscher.

Einer der Festgenommenen, ein 59 Jahre alter Mann, gab sich Kaufinteressenten gegenüber als «Reichsgraf» aus. Er soll die Legende aufgebaut haben, er sei ein Freund des Bruders von Alberto Giacometti, Diego, und habe von diesem die Skulpturen aus einem vor Erben geheim gehaltenen Fundus übernommen. Um dies zu belegen, wurde ein Fachbuch vorgelegt. Als Drahtzieher im Hintergrund und Autor dieses Buches soll ein 61-Jähriger Kunsthändler fungiert haben, dem auch das Lager gehört haben soll und der sich derzeit im Zusammenhang mit einem anderen Fälscherverfahren vor dem Landgericht Stuttgart verantworten muss. Auch der Kunsthändler und seine Ehefrau wurden festgenommen.

Wo die Fälschungen, die die Polizei bereits am 11. August entdeckte, hergestellt und wie viele davon zu welchen Preisen verkauft wurden, konnte ein Sprecher des Landeskriminalamts nicht sagen. Die Betrüger sollen bis zu zweistellige Millionenbeträge gefordert haben. Angesichts der großen Menge der sichergestellten Fälschungen gehen die Ermittler davon aus, dass von den Skulpturen tatsächlich auch einige an Sammler gelangt sind.

Giacomettis Kunst ist international berühmt. Das Trio soll - teilweise unter Einschaltung von Vermittlern - die Ware seit mindestens 2004 auf den Markt gebracht haben. Gegen alle drei Beschuldigten wurden inzwischen von einem Stuttgarter Haftrichter Haftbefehle erlassen. Der Vorwurf lautet auf banden- und gewerbsmäßiger Betrug. Auch Verstöße gegen das Urhebergesetz werden den Verdächtigten zur Last gelegt. Sie befinden sich in Untersuchungshaft. (ddp)

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