Welt : Kunstschänder auf der Flucht: Museen in Angst

Der psychisch kranke Kunstschänder Hans-Joachim Bohlmann hat sich aus der geschlossenen Psychiatrie in Hamburg abgesetzt und damit Museen bundesweit in Alarmbereitschaft versetzt. Bohlmann kehrte von einem unbegleiteten Ausgang nicht in die geschlossene Psychiatrie Hamburg-Ochsenzoll zurück. Die Hamburger Polizei rief daraufhin die Museen wegen möglicher neuer Anschläge des 63-Jährigen zu erhöhter Vorsicht auf.

Der berüchtigte "Dürer"-Attentäter Bohlmann hatte im Laufe der Jahre 56 Kunstwerke in Museen und Kirchen zerstört und dabei einen Gesamtschaden von 270 Millionen Mark angerichtet. Weltweites Aufsehen erregte er 1988, als er vor einer entsetzten Schülergruppe in der Münchner Pinakothek drei Gemälde von Dürer, darunter die Beweinung Christi, mit Schwefelsäure übergoss. Die drei Dürer-Werke hatten allein einen Wert von 180 Millionen Mark. Nach dem Münchner Anschlag hatte ein Gericht Bohlmann zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und anschließender Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt.

Museen und Ausstellungshallen verschärften nach Bohlmanns Untertauchen ihre Sicherheitsvorkehrungen. Zuletzt hatte es unterschiedliche Auffassungen bei Ärzten und Justiz über die Unterbringungsauflagen für Bohlmann gegeben. Obwohl die behandelnden Mediziner die Therapieaussichten "relativ skeptisch" beurteilten, verfügte ein Gericht im letzten Jahr mit Blick auf die lange Verweildauer von Bohlmann im Maßregelvollzug eine "stufenweise Lockerung" der Auflagen. In der Folge wurden Bohlmann unbegleitete Ausgänge auf dem Klinikgelände gestattet; später durfte er das Terrain in Begleitung verlassen. Zuletzt wurden ihm auch unbegleitete Ausgänge zu der therapeutischen Wohngruppe gewährt. Dabei flüchtete er jetzt.

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