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Kurdengebiete : Viele Tote bei Erdbeben in Grenzregion zwischen Iran und Irak

In den südlichen Kurdengebieten bebt die Erde. Mehr als 400 Menschen sterben, Tausende wurden verletzt. Die Bundesregierung bietet ihre Hilfe an.

Erdbeben in Kurdengebieten zwischen Iran und Irak: Zerstörte Gebäude in Sarpol-E-Zahab, Iran
Erdbeben in Kurdengebieten zwischen Iran und Irak: Zerstörte Gebäude in Sarpol-E-Zahab, IranFoto: dpa/AP/Pouria Pakizeh/Iranian Students News Agency

Bei einem schweren Erdbeben in dem südlichen Kurdengebieten zwischen dem Iran und dem Irak sind mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Behörden beider Staaten zufolge gab es am Montag 415 Tote und 7000 Verletzte. Weitere Opfer wurden befürchtet. Das Erdbeben der Stärke 7,3 hatte die südlichen Kurdengebiete in der Grenzregion am Sonntagabend (Ortszeit) erschüttert. Laut dem Geoforschungszentrum Potsdam lag das Zentrum des Bebens in etwa 34 Kilometern Tiefe in der westiranischen Provinz Kermanschah.

Die Bundesregierung hat beiden Ländern Hilfe angeboten. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Welche Hilfsgüter genau gebraucht würden, müsste nach Absprache mit beiden Ländern geklärt werden. Seibert sprach den Ländern und der betroffenen Bevölkerung die „tief empfundene Anteilnahme“ der Bundesregierung aus.

Rettungskräfte konnten erst acht Stunden nach dem Beben ihre Bergungsarbeiten richtig beginnen. Sie mussten warten, bis es in den Erdbebengebieten wieder hell wurde. Danach stiegen die Opferzahlen fast im Minutentakt. Bis Montagmittag gab es zudem 135 Nachbeben in mehreren Provinzstädten. Nach Angaben des Roten Halbmonds waren besonders die drei Grenzstädte Sare Pole Sahab, Ghassre Schirin und Asgal von dem Beben betroffen. Die meisten Tote wurden in diesen drei Städten gezählt. In der Provinzhauptstadt Kermanschah gab es weniger Tote und Schäden, aber trotzdem verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht aus Angst vor weiteren Beben außerhalb im Freien.

Präsident Hassan Ruhani verspricht Hilfe

Das Beben in Kermanschah war das schlimmste seit 1990. Damals gab es in Rudbar in der nordiranischen Gilan Provinz ein Beben der Stärke 7,4. Mehr als 35.000 Menschen kamen ums Leben. Ein verheerendes Beben gab es 2003 in Bam in Südostiran mit über 26.000 Toten. Das letzte größere Beben in der Kermanschah-Provinz war laut Medienberichten 1847. Die Krankenhäuser in Kermanschah, wo die meisten Verletzten behandelt werden, sind laut Augenzeugen total überfordert. Das Gesundheitsministerium in Teheran hat daher mehrere Ärzte in die Region entsandt, um in mobilen Kliniken in den Grenzstädten den Menschen zu helfen. Die Schwerverletzten werden nach Teheran geschickt. In der gesamten Kermanschah-Provinz wurden am Montag die Schulen und Universitäten geschlossen.

Alle Behörden sollen in erster Linie den Bebenopfern helfen. Präsident Hassan Ruhani versprach den von dem Beben betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe. Auf irakischer Seite hielt sich die Opferzahl nach dem Erdbeben vergleichsweise in Grenzen. Die kurdische Nachrichtenseite „Rudaw“ berichtete von sieben Toten in den Regionen um die Städte Sulaimanija und Darbandichan. Mindestens 300 Menschen wurden demnach verletzt. Etwas später erschütterte am Sonntagabend (Ortszeit) auf der anderen Seite der Welt ein ähnlich starkes Erdbeben die Pazifikküste von Costa Rica.

Türkei schickt Militärmaschine mit Hilfsgütern

Das Zentrum des Bebens der Stärke 6,4 lag südöstlich des Badeortes Jacó im Pazifik, vor der Westküste des mittelamerikanischen Landes, wie die nationale seismologische Beobachtungsstelle mitteilte. Wenngleich es nur wenig schwächer war, blieb die Opferzahl zunächst gering. Zwei Menschen starben während des Bebens an Herzinfarkten, wie die örtliche Zeitung „La Nación“ berichtete. Berichte über weitere Opfer oder größere Schäden gab es zunächst nicht. Aus der Türkei startete der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge eine Militärmaschine mit Hilfsgütern und einem Rettungsteam in Richtung der irakischen Kurdengebiete. Es würden auch 5000 Zelte und 7000 Decken geliefert.

In der betroffenen Region kann es in der Nacht zu Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt kommen. Die bergige Region um Sulaimanija im Südosten der Region Kurdistan ist bei der vornehmlich kurdischen Bevölkerung ein beliebtes Urlaubsgebiet. Das Klima und die Landschaft laden zum Wandern ein. Sulaimanija gilt mit seiner mehr als halben Million Einwohner als kulturelles Zentrum und ist nach Erbil die wichtigste Stadt in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak. Auch hat sich der Ort als vergleichsweise liberale Universitätsstadt einen Namen gemacht.  Die Grenzstadt Halabdscha nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt wurde dem gegenüber zum Symbol der kurdischen Unterdrückung unter Diktator Saddam Hussein: Der Giftgasangriff auf die Stadt 1988 hat sich in das kollektive Gedächtnis der Kurden eingebrannt. (AFP, dpa)

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