Kurioses : Die tierischen Schlagzeilen aus 2007

Ein knuddeliger Eisbär aus Berlin zog Fanscharen aus der ganzen Welt an, die Kleine Hufeisennase geriet ins Zentrum des Streits um das Dresdner Weltkulturerbe, und die Elche wurden als Klimakiller entlarvt - auch in diesem Jahr gab es jede Menge "tierischer" Schlagzeilen.

Andrea Schlotterbeck

BerlinIn einer der großen politischen Debatten des Jahres 2007 - jener um den Klimaschutz - mischte die Tierwelt kräftig mit. Der kleine Eisbär Knut wurde zur Symbolfigur der schmelzenden Polarkappen gekürt, die Elche dagegen als Übeltäter geoutet. Jährlich hundert Kilo des Treibhausgases Methan stößt nämlich ein erwachsenes Exemplar der Gattung mit seinen Rülpsern aus, wie der norwegische Forscher Odd Harstad errechnete. Umgerechnet auf das ebenfalls klimaschädliche und bekanntere Kohlendioxid (CO2) und hochgerechnet auf die Gesamtpopulation der norwegischen Elche entspreche dies 294.000 Tonnen CO2 im Jahr. Die schlechten Abgaswerte seien aber kein Grund, den Elch-Bestand zu dezimieren, warnt Harnstad: "Sie haben eine wichtige Funktion in der Natur".

Mit dem bis dato mathematisch unbekannten Knuddelfaktor musste der Berliner Zoo bei seinen Entscheidungsprozessen rechnen: An ihm scheiterten alle Versuche, Knut artgerecht einschläfern zu lassen, nachdem ihn seine Mutter verstoßen hatte. Stattdessen wurde Knut von seinem Pfleger adoptiert, ebenso wie von Millionen Besuchern, mehreren Plüschtierherstellern, einem Umweltminister und einer Gummibärchenmarke - bis er ein halbes Jahr alt - und grau wurde.

Animalische Trittbrettfahrer

Knuts Berühmtheit fand rasch animalische Trittbrettfahrer: Reichte es Fu Long Long aus dem Wiener Tiergarten Schönbrunn noch, einfach nur ein Panda-Baby zu sein, musste Kakadu-Dame Pippa aus einem Tierpark im englischen Warwickshire für ihre Schlagzeile hart arbeiten und zwei Wochen lang Schoko-Ostereier ausbrüten. Eine riskante Strategie verfolgten Delfin Lucky und Pferd Haruurara in Japan: Der eine verpatzte jedes Kunststück, das andere jedes Rennen - und wurden dafür vom Publikum geliebt. Kein Wunder, meinen Psychologen: Das vom Leistungsdruck müde gewordene Land identifiziere sich mit seinen Loosern.

Auf derlei Milde durfte dagegen Chuang Chuang, der aus der Form geratene, fortpflanzungsfaule Panda aus einem Zoo in Thailand, nicht hoffen. Weil sein Liebesleben alles andere als erfüllt war, sollten Panda-Pornos ihn und Partnerin Lin Hui in Wallung bringen. Vergebliche Liebesmüh, nun muss der Sexmuffel 17 Kilo abspecken.

Schadensersatz für depressiven Strauß

Strauß Gustav war da schon viel aktiver - bis ihn Silvesterböller so in Depressionen versetzten, dass er der Liebe abschwor. Davon ist zumindest sein Besitzer überzeugt: Wegen entgangenen Nachwuchses forderte er von den jugendlichen Verursachern der Knallerei gut 5000 Euro Schadenersatz. Die Richter im sächsischen Bautzen vermochten dieser These nicht ganz zu folgen, vermuteten noch andere Stressfaktoren und beendeten den Prozess mit einem Vergleich.

Um von vornherein Schaden von der Kleinen Hufeisennase abzuwenden, stoppte derweil das Verwaltungsgericht in der sächsischen Landeshauptstadt eilends den Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke. Umweltschützer befürchteten, die auch bei den Weltkulturhütern von der Unesco berüchtigte Brücke könnte die vom Aussterben bedrohte Fledermaus aus dem Dresdner Elbtal vertreiben. Ein Tempolimit bei Anbruch der Dunkelheit soll das nun verhindern.

Heirat mit einer Hündin

Einfache Abhilfe fand auch ein 34-jähriger Bauer aus Indien, um sich nach 15-jähriger Heimsuchung von den Geistern zweier getöteter Hunde zu befreien. Auf Anraten eines Astrologen heiratete er die vierjährige Promenadenmischung Selvi. Wie sich die im prunkvollen Sari gekleidete Braut fühlte, ist nicht überliefert.

Eine ganz andere Wendung nahm in diesem Jahr die innige Beziehung zwischen dem Trauerschwan Petra aus Münster und seinem Tretboot. Nach langer Liebe wurde Petra dem weißen Boot untreu und wandte sich einem Artgenossen aus Fleisch und Blut zu: Ihr neuer Begleiter ist ein Höckerschwan. (dm/AFP)

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