Welt : "Kursk"-Katastrophe: "Torpedo-Kammer ist wie mit dem Fallbeil abgehackt"

Der Bug des mit 118 Mann Besatzung am 12. August gesunkenen russischen Atom-U-Bootes "Kursk" ist nach Angaben eines Augenzeugen durch eine Explosion vollständig weggesprengt worden. Die vordere Sektion des Bootes, die Torpedo-Kammer, sei "wie mit einem Fallbeil abgehackt", sagte der Kommandant einer russischen Rettungskapsel der Moskauer Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". Er hatte wenige Tage nach dem Unglück drei Tauchgänge zu dem auf Grund der Barentssee liegenden U-Boot unternommen. Es war der erste derartige Bericht eines russischen Augenzeugen.

Er sollte versuchen, an eine Luke am Bug der "Kursk" anzudocken, berichtete der Kommandant der Kapsel "Pris", Andrej Scholochow, weiter. Dafür habe er die Kapsel entlang des 154 Meter langen Rumpfs in Richtung der Torpedo-Kammer manövriert. "Plötzlich war das Boot zu Ende. Wie ein steiler Abgrund." Aus dem Inneren ragten verbogene Rohrleitungen und Stahlplatten heraus. Ein Offizier, der nach dem Andocken in die "Kursk" steigen sollte, habe daraufhin gesagt: "Die erste Sektion gibt es nicht mehr. Bisher war von einem "großen Loch" im Bug der "Kursk" die Rede. Es gilt als sicher, dass eine gewaltige Explosion den vorderen Teil des Boots zerstörte. Russlands Militärführung behauptet jedoch weiter, der Untergang der "Kursk" sei die Folge einer Kollision mit einem westlichen U-Boot.

In einem ungewöhnlichen Austausch von Geheimdaten haben die USA Russland unterdessen eigene Informationen zu der "Kursk"-Katastrophe übermittelt. Dabei handele es sich um Beobachtungen von zwei U-Booten der USA, die zum Zeitpunkt des Unglücks in der Barentssee waren, hieß es am Mittwoch aus dem US-Außenministerium. Demnach registrierten die Amerikaner am 12. August um 9.28 Uhr (MESZ) eine Unterwasserexplosion. Zwei Minuten später habe es eine weitere, viel stärkere Explosion gegeben, die der Sprengkraft von fünf Tonnen TNT entsprochen habe.

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