Welt : Kurz vor dem Überlaufen

NAME

Hannover/Kiel (dpa). Nach tagelangem Dauerregen, der für die Meteorologen kaum vorhersehbar war, haben Hunderte Helfer in Norddeutschland auch am Montag weiter mit aller Kraft gegen das Hochwasser in vielen Gebieten und einen drohenden Dammbruch bei dem Dorf Grönland (Kreis Steinburg/Schleswig-Holstein) gekämpft. Im niedersächsischen Horneburg (Kreis Stade) lagen die Schäden nach Schätzungen bei sechs Millionen Euro. Aus einem voll gelaufenen Entwässerungsgraben bei Grönland sei Wasser „wie ein Fluss“ in die Wiesen geströmt, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Experten gingen am Nachmittag aber davon aus, dass der Deich gehalten werden kann.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis dankte den Helfern in den Hochwassergebieten für ihren tagelangen Einsatz.

In Horneburg blieb die Lage trotz nachlassenden Regens noch kritisch. Der Pegel der Aue war nach dem Anstieg am Morgen allerdings wieder gesunken, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes. Mehr als 200 Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) versuchten, das Wasser aus den Überschwemmungsgebieten in die Flüsse Aue und Lühe zu pumpen, damit es dann über die Elbe abfließen konnte. Die Sandsäcke an den Deichen und vor den Häuser blieben vorerst liegen.

Die Betroffenen hoffen nun auf finanzielle Unterstützung. „Die meisten sind nicht gegen Schäden durch die Überflutung versichert“, betonte Horneburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Detje. „Wir appellieren an den Bund, das Land und die Bezirksregierung, einen Hilfsfonds zu bilden.“ Die Gemeinde habe ein Spendenkonto eingerichtet.

Bei Grönland hatten rund 200 Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr und THW Sand aufgeschüttet und schadhafte Deichstellen abgedichtet. Mit bis zu 100 000 Litern pro Minute wurde Wasser mit langen Schlauchleitungen bis über den Elbdeich gepumpt. In Glückstadt entspannte sich die Hochwasserlage am Montag weiter. Auch in der Haseldorfer Marsch (Kreis Pinneberg) und anderen Teilen Schleswig-Holsteins sanken die Wasserstände weiter. In den Obstplantagen im Alten Land (Niedersachsen) habe es schwere Schäden gegeben, berichteten die Behörden. Viele Bäume stünden derzeit unter Wasser. In Hamburg war die Feuerwehr am Montagmorgen zu mehr als 50 Einsätzen ausgerückt, um voll gelaufene Keller oder überschwemmte Straßen leer zu pumpen.

Ministerpräsidentin Simonis sagte: „Tausende Frauen und Männer sind schon seit der vergangenen Woche im Einsatz, um die unvorstellbar riesigen Wassermassen abzupumpen, Menschen in Sicherheit zu bringen, Straßen abzusperren, Deiche zu schützen oder einfach für andere Menschen da zu sein.“ Feuerwehr, Polizei, THW und Nachbarn von Betroffenen hätten oft „bis an den Rand der Erschöpfung“ geholfen. Im Norden Deutschlands wird zwar in den kommenden Tagen nicht ungewöhnlich viel Regen niederprasseln, in Hochwasser-gefährdeten Gebieten kann sich die Lage aber weiter zuspitzen. „Wenn das Fass schon bis zum Überlaufen voll ist, ist jeder Tropfen gefährlich“, sagte der Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, Ansgar Engel. Bis zum Dienstag können fünf bis zehn Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben