Welt : Kurzmeldungen

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Auch glückliche Ereignisse können zuweilen einen unglücklichen Verlauf nehmen. Etwa die Hochzeit der Psychologiestudentin Ana Aznar, der gerade mal 20 Jahre jungen und wirklich hübschen Tochter des konservativen spanischen Regierungschefs Jose Maria Aznar. Denn aus der „privaten Feier", die sich „Anita" eigentlich gewünscht hatte, wurde eine pompöse Staatshochzeit, wie sie Spanien seit der Vermählung der beiden iberischen Königstöchter Elena und Christina nicht mehr gesehen hat. Und weil derartige Spektakel viel, viel Geld kosten, könnte aus der stattlichen Hochzeit demnächst noch eine kleine Staatsaffäre werden.

Da ist nur zum Teil Anas Papa, Jose Maria, schuld, der sich natürlich seine Männer-Freunde unter seinesgleichen sucht. Und der deshalb den britischen Premier Tony Blair, bekanntlich mehr Konservativer als Sozialdemokrat, seinen wohl besten Verbündeten in Europa, zum Trauzeugen seiner Tochter kürte. Doch auch der Bräutigam, Alejandro Agag (31), wählte als Trauzeugen vorm Altar einen gewichtigen „Amigo": Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Alejandro ist unter den globalen Konservativen ein bekanntes Gesicht. Er gilt als Vordenker der Szene rechts der Mitte. Und führte bislang als Generalsekretär der Internationalen Christdemokraten, zusammen mit Aznar, dem Präsidenten der Bewegung, deren Geschäfte.

Doch Blair und Berlusconi waren nur die Speerspitze auf der meterlangen Liste der über 1000 Hochzeitsgäste, die bis hin zum spanischen Königspaar und dem Geld- und Kulturadel alles einschloss, was in Spanien Rang und n hat - und das richtige Parteibuch. Auf Hochzeiten und auf Beerdigungen erweist sich ja üblicherweise, wer Freund und Feind ist. Nach dieser Weisheit besitzt das politisch-private Tandem Aznar-Agag bei der nationalen Opposition jedenfalls keine Freunde.

Alle konservativen Minister, Ex-Minister, regionalen Landesfürsten und früheren Regierungschefs des spanischen Königreiches labten sich am Büfett, aber die Promis der anderen politischen Seite mußten bei dieser Sause mit dem Charakter eines Staatsaktes draußen bleiben.

Das weckt natürlich Neid, böses Blut und Appetit auf hämische Kritik. Und so konnten sich die in Spanien noch recht bedeutenden Kommunisten, die gerne in öffentlichen Wunden bohren, im Parlament nicht die Frage nach den Kosten verkneifen. Ein Polizistenheer, das sich mit politischen Gipfel-Veranstaltungen messen konnte, bewachte die lustig-illustre Hochzeitsgesellschaft während der Trauung im Kloster El Escorial und später während der rauschenden Fiesta auf einer Finca im bergigen Hinterland Madrids. Spaniens größte nationale Tageszeitung „El Pais" zählte derweil „mehr als 200 offizielle Autos", mit denen die Gäste zum feucht fröhlichen Vergnügen kutschierten.

Die staatliche-stattliche Megafeier stieß sogar manchen Freuden Aznars sauer auf. Ausgerechnet das Aznar sonst wohlgesonnene Blatt „El Mundo" titelte: „Diese Hochzeit war ein Fehler." Das Ereignis habe um ein Vielfaches die angemessenen Dimensionen gesprengt. Ralph Schulze

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