Welt : Kurzmeldungen

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Beruhigt können ihre Fans aufatmen. Der Nachlass von Hildegard Knef ist nun in besten Händen. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung erwarb das Berliner Filmmuseum am Potsdamer Platz die Raritäten, unter anderem private Korrespondenz und Schulzeugnisse. Erst zu Beginn der Woche war ihre Tochter Christina Gardiner-Palastangas nach Berlin gekommen, um den Grabstein für ihre am 1. Februar an den Folgen einer Lungenentzündung gestorbene Mutter aufzustellen. Am Montagabend absolvierte sie ihren ersten Auftritt im deutschen Fernsehen – als Gast bei der ARD-Talkshow „Beckmann“. Ihre Nervosität war ihr durchaus anzumerken. Doch wer sich von dem Auftritt glamouröse Enthüllungen über ihr Leben in den USA erhoffte, wurde bitter enttäuscht. Die einzige Tochter von Hildegard Knef – sie stammt aus Knefs zweiter Ehe mit dem englischen Schauspieler David Cameron-Palastanga – zeigte sich genauso zurückhaltend und gefasst wie bei der Beerdigung ihrer Mutter. Damals, so sagt sie, sah sie es als ihre Aufgabe an, den anderen Trauergästen Trost zu spenden.

Allen voran natürlich Paul von Schell, dem dritten Mann der Mutter. Sie nahm sich zurück. Auch in der Talkshow versuchte sie nicht, sich ins rechte Scheinwerferlicht zu rücken. Schließlich ging es nicht um ihr Leben, sondern um die Beziehung zu ihrer berühmten Mutter. Ihr Beruf wurde nicht einmal erwähnt. Glücklicherweise machte es „Tinta", wie Hildegard Knef sie nannte, auch nichts aus. Konkurrenz sei nie ein Thema für sie gewesen. Bereitwillig erzählte sie von dem Anruf, der ihr in der Nacht zum 1. Februar die Todesnachricht überbrachte. Wie erschüttert und überrascht sie war. Zwei Tage zuvor hatte sie noch mit ihrer Mutter gesprochen. Es war ein gutes Telefonat. „Ihre Verfassung konnte man immer an ihrer Stimme hören", sagt die Tochter in gleichbleibender Tonlage, die über ihre Gefühlslage nichts verrät. Ob sie ihrer Mutter noch irgendetwas hätte sagen wollen? „Nein". Denn das Verhältnis sei trotz der Distanz gut und stetig gewesen. Die 38-Jährige bewunderte ihre Mutter, weil sie immer weitermachte, nie aufgab. „Mit dem Status quo war sie nie zufrieden.“ Da wirkt es fast überraschend, als die Tochter von ihrem Mann, dem Filmmanager Peter Gardiner, spricht, den sie bereits mit 17 kennen lernte und mit dem sie heute noch glücklich ist. Diese Kontinuität fehlte im Leben der Mutter. Umso verständlicher scheint in diesem Zusammenhang die Aussage der Mutter, die ihre Tochter als „alte Seele" beschrieb und manchmal fand, dass sie eigentlich die Tochter und „Tinta" die Mutter sei. Reif und überlegt zeigte sie sich auch bei „Beckmann". Vor allem nicht geneigt, die Höhen und Tiefen des Lebens voll auszuschöpfen. Für ihre Mutter undenkbar. Über die Knef erfuhr der Zuschauer nichts, was er nicht schon wusste. Über die Tochter nicht viel. Trotzdem war die Sendung höchst aufschlussreich: eine Fallstudie zweier Generationen. Sie führte eindrucksvoll vor, dass die zweite Generation nicht die gleichen Fehler wie die erste macht. Julia Rehder

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