Landeslabor Kiel : „Alle Proben waren bisher negativ“

In Norddeutschland arbeiten Behörden und Institute unter Hochdruck, um die Ehec-Seuche in den Griff zu bekommen. In Kiel ist die Situation mitunter am dramatischsten. Ein Blick hinter die Labor-Kulissen.

Herr Hoppe-Kossack, Sie und Ihre Mitarbeiter vom Landeslabor Kiel fahnden mit Hochdruck nach dem Ehec-Erreger. Mit welchem Ergebnis bislang?

Die Untersuchungen haben wir am 19. Mai gestartet, ausgelöst durch die Häufung singulärer Krankheitsfälle. Inzwischen haben wir 250 Proben ausgewertet oder in Bearbeitung. Alle untersuchten Proben waren bisher negativ, Ehec-Erreger konnten wir nicht nachweisen.

Wie geht eine Beprobung vonstatten?

Von den 70 im Land tätigen Lebensmittelkontrolleuren aus den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten bekommen wir Proben zugeliefert, die aus Kühlschränken von Privathaushalten Erkrankter stammen oder aus der Gastronomie und dem Einzelhandel. Die Zugriffsstellen haben auch mit der von den Kliniken und Gesundheitsämtern gesteuerten Patientenbefragung zu tun. Wir schauen dann nach allen denkbaren Formen von Ehec-Erregern. Wenn aktuell ein Ehec-Erreger gefunden werden sollte, gehen Referenzproben zum Bundesinstitut für Risikobewertung nach Berlin. Von Anfang an haben wir nicht nur nach beispielsweise spanischen und holländischen Produkten geschaut, sondern in unsere Untersuchungen auch heimisches Obst und Gemüse einbezogen.

Ehec ist doch sicherlich kein Neuland für das Labor?

Wir schauen immer schon darauf und haben in wenigen Einzelfällen auch schon entsprechende Erreger entdeckt. Aktuell ist das aber noch nicht passiert. Dass wir noch keine Treffer bei diesem Ausmaß der Infektion vorweisen konnten, genau das motiviert uns weiterzusuchen.

Wie sehen die Dienstpläne aktuell aus?

Die 15 Experten, die sich mikrobiologisch und verwaltungstechnisch damit beschäftigen, schauen nicht mehr auf die Uhr. Hier wird feiertags und auch am Wochenende gearbeitet. Das Arbeitsaufkommen an zu untersuchenden Proben ist derzeit beinahe doppelt so hoch wie noch vor der Infektionswelle.

Spielt die neue Typisierung des Erregers für die Untersuchungen eine Rolle?

Nur bedingt. Wir fragen uns natürlich, ob wir analytisch noch genauer arbeiten können. Täglich finden dazu Telefonkonferenzen mit den entsprechenden Stellen der anderen Länder statt.

Matthias Hoppe-Kossak ist Leiter des Landeslabors Schleswig-Holstein in Neumünster. Mit ihm sprach Dieter Hanisch.

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