Welt : Landung ohne Not

Bombendrohungen gegen Flugzeuge – jeder neue Fall führt zu Nachahmern

Rainer W. During

Berlin - Experten sprechen von einer „üblichen Kettenreaktion“. In den letzten Tagen haben sich Meldungen über Bombendrohungen gegen Flugzeuge gehäuft. In keinem der Fälle wurde tatsächlich ein Sprengsatz gefunden. Doch jeder Fall animiniert neue Trittbrettfahrer.

Erst am Dienstag musste ein Lufthansa-Jumbo auf dem Flug von Frankfurt nach Tel Aviv im zypriotischen Larnaca zwischenlanden. Am Vortag waren zwei Maschinen von Olympic Airways und Singapore Airlines nach Korfu und Manchester umgeleitet worden. Vergangene Woche eskortierten niederländische Abfangjäger einen British-Airways-Airbus, der von Berlin nach London wollte, zum Zwischenstopp nach Amsterdam. Unbekannte hatten in allen Fällen Anschläge angekündigt.

Generell hat die Zahl der Bombendrohungen gegen Linienflüge nicht zugenommen, sagte der Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“, Markus Kirschneck. Allerdings werden die Fälle angesichts der weltweiten Sicherheitslage häufiger ernst genommen. Ausweichlandungen werden angeordnet – und nach der Zwischenlandung werden Passagiere, Gepäck und Maschine durchsucht. „Manche Leute tun die abstrusesten Dinge, um in die Medien zu kommen“, meint Kirschneck. Eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema sei deshalb „nicht hilfreich“.

Bewertet wird die Ernsthaftigkeit der Drohungen in Deutschland durch unterschiedliche Behörden wie etwa den Bundesgrenzschutz. Der fungiert als Anlaufstelle für die Länderpolizeien und stellt gemeinsam mit der Luftwaffe und der Deutschen Flugsicherung die Besatzung des Nationalen Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum in Kalkar.

Bei der Lufthansa- und der British-Airways-Maschine waren die Drohungen als nicht ernsthaft eingestuft worden. Doch bestanden im einen Fall die israelischen Behörden, im anderen die Piloten auf einer Ausweichlandung. Die letzte Entscheidung hat der Flugkapitän, so die Vereinigung Cockpit. Als Prinzip gilt: „Im Zweifel pro Sicherheit“. Für die Reisenden bedeutet ein Zwischenstopp Ärger. Und für die Airlines erhebliche Kosten. Je nach Flugzeuggröße kann sich das auf 200 000 bis 300 000 Euro summieren.

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