Welt : Lastwagen prallt auf Kleinbusse mit psychisch Kranken - Elf Todesopfer

Bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Eutin in Schleswig-Holstein sind am Mittwoch elf Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei war ein Sattelschlepper auf der viel befahrenen und kurvenreichen Bundesstraße 76 gegen 11.35 Uhr mit zwei Kleinbussen der Kieler Evangelischen Stadtmission frontal zusammengestoßen. In dem einem Bus starben alle acht Insassen, im zweiten drei. Die Opfer sind bis auf Fahrer und Beifahrer psychisch Kranke, die auf dem Weg in den Hansa-Park in Sierksdorf an der Ostsee waren. Nach Angaben der Stadtmission waren insgesamt vier Busse mit den Erwachsenen unterwegs, die alle aus einer Einrichtung der Mission in Kiel stammen.

Auf dem Weg zur Ostsee

Die genaue Zahl der Verletzten war zunächst unbekannt. Mehrere Schwerverletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte der Sattelschlepper einen anderen Lastwagen gestreift und war ins Schleudern geraten. Er stieß dann mit den VW- Bussen zusammen.

Zur Bergung der zum Teil stark verstümmelten Opfer wurde die Bundesstraße in der Nähe der Ortschaft Süsel (Kreis Ostholstein) gesperrt.

Von der Verwaltungsroutine einer großen sozialen Einrichtung war in der Kieler Stadtmission am Mittwochmittag nichts geblieben. Der Anruf der Polizei mit der Mitteilung, bei einem Verkehrsunfall seien vermutlich elf Menschen aus einem Wohnheim der Stadtmission in Kiel getötet worden, versetzte die Mitarbeiter in einen Schockzustand. Die Unkenntnis darüber, wer getötet und wer verletzt wurde, ob es Mitarbeiter oder Schützlinge waren, zerrte an den Nerven.

Pausenlos klingelnde Telefone sorgten für zusätzliche Hektik in der Zentrale inmitten der Kieler Innenstadt. Journalisten stellten Fragen, auf die es noch keine Antworten gab oder die aus Fürsorge nicht erteilt wurden. Als über den Rundfunk bekannt wurde, dass es sich um psychisch Kranke handelte, brach die Telefonvermittlung der Stadtmission zeitweise zusammen.

Das Wohnheim, aus dem die Opfer des Unfalls kamen, hätte am Mittwochnachmittag eigentlich Treffpunkt für eine Sitzung der Diakonie Schleswig-Holstein sein sollen. Die Konferenz wurde in letzter Minute abgesagt. Im Wohnheim versuchten Mitarbeiter unterdessen, die noch verbliebenen Bewohner zu betreuen. Die Angst und Unsicherheit darüber, wer von dem Ausflug nicht wieder zurückkehren würde, blieb. "Die Polizei wollte von uns eine Namensliste der Toten, woher sollen wir die denn haben. Wir wissen doch selbst noch nichts", schilderte eine verzweifelte Sekretärin die Situation.

Der geplante Ausflug in den Freizeitpark Hansaland in Sierksdorf an der Ostsee gehört seit Jahren zum Programm der Stadtmission. Die Fahrt sei sehr beliebt gewesen, sagte eine Mitarbeiterin.

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