Welt : Laut Studie denken Frauen mehr an andere, Männer vor allem an sich selbst

Maren Peters

Wenn Frauen gefragt würden, wovon Männer träumen, käme vielen vermutlich das Eine in den Sinn: Schäferstündchen mit Pamela Anderson, eine zärtliche Nacht mit Verona Feldbusch, ein Techteltelmechtel mit Claudia Schiffer. Seit gestern wissen wir: Sie haben recht. Männer träumen - deutlich öfter als Frauen - von erotischen Abenteuern. Das hat die R+V-Versicherung in einer Studie rund um die "Träume der Deutschen 1999" herausgefunden, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Und auch sonst scheint die Studie gängige Klischees zu bestätigen. Ein Traumauto und beruflicher Erfolg spielen in den Träumen von Männern eine wesentlich größere Rolle als in denen von Frauen. Die Werbung eines großen Kreditinstituts ("Mein Auto, mein Schaukelpferd, meine Badewanne . . ") spiegelt die Realität offenbar treffend wieder.

Gleichzeitig sind Männer materialistischer orientiert. Sie wünschen sich vorzugsweise einen hohen Lottogewinn, eine üppige, lebenslange Rente und genügend Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Frauen dagegen sind eher idealistisch veranlagt. Ganz oben auf ihrer Traumskala steht ein Leben ohne Kriminalität, Hungersnöte und Kinderarbeit, eine gesunde, glückliche Familie mit Kindern und Frieden auf der Welt. "Frauen denken mehr an andere, Männer vor allem an sich selbst", kommentierte R+V-Unternehmenssprecherin Rita Jakli das Ergebnis. Bei der repräsentativen Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Ipsos hatten insgesamt 2000 Deutsche ab 14 Jahren 40 mögliche Wunschträume in vier Kategorien von "wünsche ich mir sehr" bis wünsche ich mir gar nicht" eingeordnet.

Und auch das zeigt die Studie: Die Wünsche der Deutschen scheinen weniger materialistisch zu sein als bislang angenommen. Egal, ob Männer oder Frauen, West- oder Ostdeutsche, Jung oder Alt - die meisten der Befragten wünschen sich nicht Geld, sondern lebenslange Gesundheit (76 Prozent) und Frieden auf der Welt (64 Prozent). 54 Prozent der Befragten träumen von einer glücklichen Partnerschaft und je 52 Prozent von Zufriedenheit und innerer Ruhe sowie Medizin gegen bislang unheilbare Krankheiten. Erst weit unten, auf Platz elf der Rangliste, taucht der Wunsch nach Arbeit für alle Menschen, nach einer üppigen lebenslangen Rente oder einem hohen Lottogewinn auf. "Statt materiellem Reichtum erträumen sich die meisten Deutschen persönliches Wohlergehen und eine bessere Welt", sagte Unternehmenssprecherin Jakli. Mit zunehmendem Alter, auch das zeigt die Studie, nimmt der Wunsch nach Gesundheit zu, während sich der Wunsch nach perfektem Aussehen und danach, "alles kaufen zu können", merklich abschwächt.

In der Rangfolge der Wünsche nach den ersten beiden Plätzen unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland allerdings noch: Während in den neuen Bundesländern der Wunsch nach Arbeit für alle Menschen bereits auf Platz fünf auftaucht, taucht er bei den Westdeutschen erst am unteren Ende der Skala auf Platz 13 auf. Der Wunsch nach einem hohen Lottogewinn steht bei Ostdeutschen auf Platz 10, bei Westdeutschen erst auf dem 15. Platz. "Hier spiegelt sich die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern wieder", so Jakli.

Die befragten Berliner outeten sich bei der Umfrage übrigens als die größten Materialisten: Bei ihnen landete der Wunsch nach einem Lottogewinn weit oben auf Rang sechs. Überdurchschnittlich häufig brachten die Berliner auch den Traum von einem großen Eigenheim mit Garten vor. Allerdings wurden im Rahmen der Studie nur 86 Berliner befragt, "das Ergebnis ist also nicht repräsentativ", sagte Jakli.

Die "Negativliste" darüber, was sich die Deutschen am wenigsten wünschen, zeigt, dass "Regierungschef" beileibe kein Traumjob ist. 64 Prozent der Befragten wünschten sich nichts weniger, als eine Zeitlang Bundeskanzler zu sein. Prominenz scheint überhaupt nicht sonderlich gefragt zu sein, 55 Prozent der Befragten wollten nichts weniger, als allseits bekannt zu sein. Irreale Wünsche wie "ohne Hilfsmittel fliegen können" (59 Prozent) oder "Unsterblichkeit" (55 Prozent) erschienen den Befragten ebenfalls nicht sonderlich erstrebenswert.

"Die Deutschen sind eben ein nüchternes Volk, das auch beim Träumen die Realität nicht aus den Augen verliert", kommentierte R+V-Sprecherin Jakli. Es sei ein gesunder psychologischer Mechanismus, sich auf das Machbare zu beschränken.

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