Lawinenunglück : Bangen um Johan Friso

Nach dem Lawinenunglück schwebt der zweite Sohn der niederländischen Königin Beatrix weiter in Lebensgefahr. Beatrix besucht ihren Sohn jeden tag Tag im Krankenhaus, doch Reporter machen der Königlichen Familie das Leben schwer.

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Königin Beatrix mit Schwiegertochter Mabel beim Betreten des Krankenhauses in Innsbruck.
Königin Beatrix mit Schwiegertochter Mabel beim Betreten des Krankenhauses in Innsbruck.Foto: Reuters

„Die Königliche Familie ist sehr dankbar und tief bewegt angesichts der großen Anteilnahme und der vielen Bekundungen des Mitgefühls, die ihr nach S.K.H. Prinz Frisos Skiunfall entgegengebracht werden“, lautet die letzte offizielle Nachricht des Königshauses. Die Niederlande bangen um Prinz Johan Friso, den zweiten Sohn von Königin Beatrix, der am vergangenen Freitag mit dem Freund Florian Moosbrugger trotz Lawinenwarnung außerhalb der Pisten zum Skifahren unterwegs war und von einer Lawine verschüttet wurde. Berichten zufolge soll die Lawine 200 Meter lang gewesen sein. Der Hang sei morgens noch kontrolliert worden, auch habe man mit neun Sprengungen versucht, künstliche Lawinen auszulösen, doch der Hang sei stabil geblieben.

Kristl Moosbrugger, Managerin des „Gasthofs zur Post“, in dem die königliche Familie seit einem halben Jahrhundert ihren Winterurlaub verbringt, hatte sich im österreichischen Fernsehen lobend über Königin Beatrix geäußert. „Sie hat ihn wie ihren eigenen Sohn behandelt, in die Arme genommen und getröstet. Sie weiß, dass er am Unglück von Prinz Friso nicht schuld ist“, zitiert „de Volkskrant“ die Hotelmanagerin. Auch Moosbrugger berichtete von den missglückten Sprengungen sowie Spuren im Schnee, die andere Tiefschneefahrer hinterlassen hätten, ohne eine Lawine auszulösen. Ihr Sohn und der Prinz hätten sich trotz der Warnungen sicher gefühlt. Seit Freitag sind die niederländischen Zeitungen voll mit Sonderseiten zu dem tragischen Unglück, warten Journalisten vor dem Krankenhaus in Innsbruck auf neue Nachrichten, aber es kommt nichts.

Der Krankheitsverlauf richtet sich nicht nach dem öffentlichen Interesse der Medien. Das zehrt an den Nerven. Die königliche Familie hat die Nase voll“, teilte der Videoreporter Philipp Jenne der Nachrichtenagentur AP am Hotel in Lech seiner Redaktion mit. Ein Kollege von Jenne war von Kronprinz Willem-Alexander angegangen worden, als dieser mit seinen Kindern das Hotel verlassen wollte. „Haben Sie keinen Deut von Respekt?“, soll der entnervte Prinz dem Reporter zugerufen haben, worauf sich dann die ganze Medienmeute auf die Szene stürzte und so noch mehr unpassende Bilder produzierte. Ein Sprecher versuchte die Journalisten vor dem Hotel zur Zurückhaltung zu bewegen und bat um Verständnis: „Die Mitglieder der königlichen Familie und ihre Kinder müssen jedes Mal ein Blitzlichtgewitter ertragen, sobald sie einen Fuß vor die Tür setzen.“ Ein Fotograf soll den Kindern bis zur Skistunde gefolgt sein. Mittlerweile benutzen Königin Beatrix und Schwiegertochter Mabel mit Enkelin Zaria in Innsbruck den Eingang der Notaufnahme. Ohne Kinder nimmt Königin Beatrix den Haupteingang – wegen der Fotografen.

Die Stimmung sei merkwürdig, konstatiert „de Volkskrant“. Man habe das Gefühl, die königliche Familie geniere sich für die fortgesetzten Skistunden für die Kinder und die Journalisten wüssten auch nicht so richtig, worüber sie schreiben sollten, wo doch gar nichts passiert. Aber jeder tue das, was sein Job sei. Immerhin einer nimmt Rücksicht. Der Schriftsteller Thomas Ross hat beschlossen, die geplante Veröffentlichung seines Romans „Onze vrouw in Tripoli“ aus Pietät auszusetzen. Der Roman spielt im aufständischen Libyen, als eine Rettungsmission eines niederländischen Militärhubschraubers missglückte. Johan Frisos Frau Mabel spielt eine bedeutende Rolle in diesem Roman.

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