Welt : Lawinenunglück: Unter Schnee begraben

Paul Kreiner

Bei dem ersten großen Lawinenunglück in dieser Wintersportsaison sind nur acht Tage nach der verheerenden Brandkatastrophe am österreichischen Kitzsteinhorn am Sonntag in Tirol vier Menschen bei Lawinenabgängen getötet worden. Im Skigebiet von Obergurgl sei eine achtköpfige deutsche Skigruppe außerhalb der präparierten Pisten von einem riesigen Schneebrett mitgerissen worden, berichtete die Polizei. Drei Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. Eines der Opfer entdeckten die Helfer erst Stunden nach dem Unglück unter den Schneemassen. Fünf Skifahrer konnten sich selbst befreien. Nach Angaben des Radiosenders Hit Radio Antenne 1 handelt es sich bei den Opfern um angehende Skilehrer aus Mannheim.

Eine weitere Lawine begrub im Defreggental in Osttirol eine siebenköpfige österreichische Skifahrergruppe, die ebenfalls außerhalb der Pisten im Tiefschnee unterwegs war. Während sich sechs Menschen selbst befreien konnten, erlitt ein Mann so schwere Verletzungen, dass er kurz nach seiner Bergung noch am Unglücksort starb. Die beiden Lawinen sollen nach ersten Hinweisen von den beiden Gruppen selbst ausgelöst worden sein.

Auch in der Schweiz führten starke Schneefälle zu ersten akuten Lawinenwarnungen. Das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut in Davos (Schweiz) warnte, in Steilhängen über 2 200 Meter reiche schon das Gewicht einer einzelnen Person, um eine Lawine auszulösen. In Norditalien herrschte nach Regenfällen Gefahr von Erdrutschen. Am Gardasee gingen in der Nacht zum Sonntag Erdmassen auf einer Breite von 100 Metern nieder. Es wurde jedoch niemand verletzt. Auch in Graubünden (Schweiz) wuchs die Gefahr von Erdrutschen. Im Puschlav- Tal mussten einige Dörfer evakuiert werden.

In Obergurgl war erst am Freitag die Skisaison eröffnet worden. Die Urlauber waren mit den Slogans "Der bunteste Saisonstart, seit es den Winter gibt" und "Der fulminante Start in den Winter" angelockt worden. Im Tal lagen zehn Zentimeter, auf den Bergen 60 Zentimeter Schnee.

Nach den großen Neuschneemengen war in Tirol die höchste Lawinengefahrenstufe ausgerufen worden, berichtete Bürgermeister Ernst Schöpf. Die Skifahrer seien an den Seilbahnen auf Hinweistafeln ermahnt worden, die präparierten Pisten nicht zu verlassen. Dennoch sei die deutsche Gruppe außerhalb im Tiefschnee unterwegs gewesen.

Das Wintersportgebiet Obergurgl

Das österreichische Wintersportgebiet Obergurgl liegt am Ende des Ötztales in 1907 Meter Höhe und ist vor allem auch bei deutschen Urlaubern sehr beliebt. In dem südwestlich von Innsbruck gelegenen Dorf leben 420 Einwohner, die ihren Lebensunterhalt praktisch ausschließlich aus dem Sommer- wie Wintertourismus bestreiten. Das "höchstgelegene Kirchdorf in Österreich" ist der Ausgangspunkt für Abfahrten auf den 110 Kilometer langen Pisten. In Obergurgl startet auch die Gondelbahn auf den 3038 Meter hohen Festkogel. Dort befindet sich auch die Mautstelle für die Timmelsjoch-Hochalpenstraße. Die Region beherbergt ein Bundessportheim zur Förderung des Skinachwuchses. Die Universität Innsbruck betreibt dort seit 1951 eine alpine Forschungsstelle.

Lawinenkatastrophen in den Alpen

Lawinen haben in den Alpen in diesem Jahr - in der letzten Saison - bereits mehrere Todesopfer gefordert

28. März 2000: Am österreichischen Kitzsteinhorn kommen bei einem Lawinenabgang zwölf Menschen ums Leben. Eine Gruppe von Skilehrern wird in einem Kessel von einem rund 400 Meter breiten Schneebrett erfasst. Unter den Opfern sind zwei Snowboarder und zehn angehende Skilehrer aus fünf Ländern.

21. Februar 2000: Eine Lawine an der Portless-Spitze in Südtirol fordert vier Tote.

5. Februar 2000: Im Wallis kommen zwei Schweizer Skifahrer ums Leben, als sie von einem Schneebrett 200 Meter in die Tiefe gerissen werden. Die Männer waren außerhalb der markierten Pisten unterwegs.

30. Januar 2000: Im Berner Oberland reißen Schneemassen einen Menschen in den Tod, als abseits der Piste eine Lawine abgeht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben