Welt : Lea-Sophies Vater ist schuldfähig

Schwerin - Der Vater der verhungerten fünfjährigen Lea-Sophie aus Schwerin ist einem Gutachten zufolge für sein Handeln voll verantwortlich. Er habe zwar Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung festgestellt, sagte der Psychiater Jörg Thal am Samstag vor dem Schweriner Landgericht, aber nicht von dem Ausmaß, das für verminderte Schuldfähigkeit nötig sei. Davor hatte der Vater in der Verhandlung eingeräumt, dass sein Verhältnis zur fünfjährigen Lea-Sophie schwierig gewesen sei. Dass das Mädchen nicht mit ihm spielen gewollt habe, „hat uns auseinander getrieben“, sagte er. Im Gutachten ist von einem „gehörigen Maß an Selbstbezug“ beim Angeklagten die Rede.

Professor Egbert Herting von der Universitätsklinik Lübeck, der als weiterer Gutachter gehört wurde, erklärte, dass Lea-Sophie vielleicht noch eine Chance gehabt hätte, wenn sie eine Woche vorher ins Krankenhaus gebracht worden wäre. Aber auch dann hätten dauerhafte Hirnschäden nicht ausgeschlossen werden können. Er sagte, einen Grad an Unterernährung wie bei Lea Sophie habe er in seiner 20-jährigen Berufstätigkeit noch nicht erlebt. Das fünfjährige Mädchen war nach einem zweiten Herzstillstand am 20. November 2007 in einem Schweriner Krankenhaus gestorben, damals wog sie weniger als 7,4 Kilogramm.

Zur Schuldfähigkeit der Mutter soll ein weiterer Gutachter Ende Juni gehört werden. Ein endgültiges Urteil wird dann für Anfang Juli erwartet. Vater und Mutter hatten im bisherigen Prozessverlauf zugegeben, den besorgniserregenden Zustand des Kindes erkannt zu haben. Aus Angst, ihnen könnten ihre Kinder weggenommen werden, hätten sie Hilfe von Außen abgelehnt. dpa

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