Leben in Wandlitz und Santiago : Honeckers Enkel: "Ich hatte Westjeans"

Der Enkel Erich Honeckers, Roberto Yánez Betancourt y Honecker, äußert sich in einem Interview mit dem "Zeit-Magazin" erstmals über seinen Großvater - und formuliert eine Frage, die er ihm gern noch gestellt hätte.

Foto: Werner Amann / ZEITmagazin

Er habe ihn als netten, liebenswerten Menschen wahrgenommen, sagt der 36-Jährige in dem Gespräch. „Für mich war er kein Staatsmann. Jeden Samstag holten mich seine Fahrer ab und fuhren mich nach Wandlitz, wo wir mit dem Hund spazieren gingen, Rad gefahren sind, gegessen haben.“ Sein Großvater sei ein „einfacher Mann, ein Bergarbeitersohn“ mit ein paar Leidenschaften gewesen: „Er ging gern zur Jagd, er hatte seine Datsche, aber er war nicht auf dem Golfplatz, während seine Arbeiter geschuftet haben.“

Roberto ist der Sohn von Honeckers Tochter Sonja und eines Chilenen, und lebte bis 1990 in Ostberlin. In der DDR wusste man kaum etwas über ihn, aber es gab Gerüchte über zahlreiche Privilegien, so soll er als einziges Kind im Land einen ferngesteuerten Spielzeug-Hubschrauber besessen haben. Das allerdings verneint Roberto Yánez Betancourt y Honecker: „Ich hatte ein ferngesteuertes Auto, Westjeans und noch ein paar andere Dinge, die andere Kinder nicht hatten.“ Ein anderes Mal sei sein Großvater mit einer Lederjacke angekommen, die er von Udo Lindenberg nach dessen Auftritt in Ost-Berlin geschenkt bekommen hatte.

Über die Toten an der Mauer habe er mit seinem Großvater nicht gesprochen. Wenn er heute noch einmal mit seinem Großvater sprechen könnte, würde er ihn vielleicht fragen, warum es keine Lockerung der Reisepolitik gegeben habe. „Ich sehe es so: Wenn ich will, dass meine Leute glücklich werden, dann kann ich sie nicht einsperren. Das war für mich sein größter Fehler. Das Land war ein Gefängnis, und deshalb war bereits nach vierzig Jahren Schluss.“

Roberto Honecker Yánez Betancourt y Honecker lebt im Haus seiner Großmutter Margot Honecker in Santiago de Chile. Sie wollte nie, dass der Enkel mit der Presse spricht, nun hat er sich zum ersten Mal über ihren Wunsch hinweggesetzt. Über seine Großmutter sagt er: „Ich spreche manchmal Dinge an, aber es ist schwierig mit ihr... Sie steht zum Kommunismus in einer Weise, die mir nicht gefällt. Sie ist sehr stur.“

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