Welt : Leben ohne Maddie

Kate McCann hat Angst, dass die Welt ihr Kind vergisst – ihr Buch „Madeleine“ soll das verhindern

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Geben nicht auf. Die Eltern der entführten Madeleine McCann. Foto: AFP
Geben nicht auf. Die Eltern der entführten Madeleine McCann. Foto: AFPFoto: AFP

Als Strafe droht Kate McCann ein Lebenslang – der lebenslange Verlust ihres Kindes und lebenslange Schuldgefühle. Ihr Vergehen bestand darin, dass sie ihre Tochter alleine schlafen ließ, 50 Meter entfernt zu Abend aß und nur jede halbe Stunde nach ihr sah.

Am späten Abend des 3. Mai 2007 war die dreijährige Madeleine aus einem Ferienappartement im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Bis heute wird das Mädchen vermisst. Vier Jahre sind seither vergangen, in denen die Mutter Kate McCann nach eigenen Angaben wie betäubt durch die Welt läuft und sich jeden Moment der Freude verbietet. So schreibt sie es in ihrem Buch „Madeleine“, das am heutigen Freitag auf Deutsch erscheint. In Großbritannien ist das Buch ein kommerzieller Erfolg, es steht dort seit Monaten in den Bestsellerlisten. Detailliert schildert die Mutter darin ihre verzweifelte Suche nach der Tochter. Kate McCann kehrte gegen halb zehn Uhr abends in das Apartment zurück, um nach Maddie und ihren Geschwistern zu sehen. Die Tür zum Kinderzimmer steht offen. Sie schaut ins Zimmer und sieht das leere Bett ihrer Tochter. „Übelkeit, Entsetzen, Angst. Eiskalte Angst. Lieber Gott, nein!“, schreibt sie.

Es beginnt der Kampf mit Polizeibehörden, die im Gerangel um Zuständigkeiten nach Ansicht der Eltern ihre eigentliche Aufgabe zu vergessen scheinen: Madeleine zu finden. Kate McCann berichtet von angeblichen Hellsehern, die behaupteten zu wissen, wo die Leiche ist. Andere gaben sich als Entführer aus und forderten Geld. Schließlich geraten die Eltern selbst in den Fokus der Ermittlungen. Beweise, die vor Gericht standgehalten hätten, gab es nicht. Die Ermittlungen wurden eingestellt, den Verdacht aber wurden sie nicht mehr los.

Warum schrieb sie dieses Buch? Wenn ihre Tochter wieder nach Hause kommt, solle sie nachlesen können, dass ihre Eltern nie aufgehört haben, sie zu suchen. Madeleine kommt zurück, davon sind sie überzeugt. Kate McCann klammert sich an andere Fälle: Natascha Kampusch, Jaycee Lee Dugard und Carlina White sind nach acht, 18 und 23 Jahren ihren Entführern entkommen.

„Madeleine ist am Leben, bis irgendjemand das Gegenteil beweist“, daran halten die Eltern fest und sind entsetzt, wenn der frühere portugiesische Chefermittler verkündet, Maddie sei mit Sicherheit tot. Ein totes Kind wird nicht gesucht, ein für tot erklärtes Kind wird von der Gesellschaft irgendwann vergessen – das ist die Sorge, die die McCanns mit aller Medienmacht bekämpfen wollen.

„Zyniker werden behaupten, wir hätten die Medien hofiert“, schreibt Kate McCann. „Wenn sie damit sagen wollen, wir hätten ihre Hilfe in Anspruch genommen, um überall kundzutun, dass uns unsere Tochter geraubt worden war und wir sie unbedingt wiederfinden wollten, dann geben wir ihnen sofort recht.“

Kate McCann: „Madeleine“; Lübbe, Hamburg 2011, 456 Seiten, 16,99 Euro

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