Leere Netze : WWF: Mehr als drei Viertel der Fischbestände überfischt

Die Bilanz ist verheerend: Fast drei Viertel aller Fischbestände werden bis an ihre Grenzen - und darüber hinaus - ausgebeutet. Zu hohe Fangquoten und fehlende Schutzgebiete stellen eine große Gefahr für die Fortpflanzungsfähigkeit der Meerestierpopulationen dar.

Rotbarsch
Der Rotbarsch gilt als besonders gefährdet. -Foto: dpa

HamburgMehr als drei Viertel der weltweiten Fischbestände sind nach Angaben der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) bis an ihre Grenzen ausgebeutet und überfischt. Besonders gefährdet sei der Rotbarsch, auf den Verbraucher besser verzichten sollten, teilte die Organisation am Montag in Hamburg zur Veröffentlichung ihres Berichts "Fisch in Teufels Küche" mit. Beim Fang dieser Fische würden außerdem Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Der WWF fordert daher, die Tiefsee-Fischerei komplett einzustellen und ruft dazu auf, Fisch mit dem blauen Öko-Siegel des "Marine Stewardship Council" (MSC) zu kaufen.

Der Fang in der Nordsee verursacht ebenfalls Schäden. "Wer Scholle, Seezunge oder Krabben isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet", erklärte Heike Vesper vom WWF. Jeder Deutsche isst laut WWF pro Jahr im Schnitt 16,4 Kilogramm Fisch. 85 Prozent davon seien importiert.

Die Verbraucher sollten die Finger ebenfalls von tropischen Shrimps lassen, empfahlen die Umweltschützer. Für die Zuchtanlagen würden an der südamerikanischen Pazifikküste Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang von Jungtieren für die Zuchtstationen gingen außerdem pro Krabbe ungefähr 100 weitere Fische ins Netz.

Fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fanggeräte

Auch die Paella aus dem Tiefkühlfach oder der Dose hat es laut Vesper in sich. Die Herkunftsländer der darin enthaltenen Thunfische, Tintenfische, Sardinen und Makrelen seien oft nicht erkennbar. Häufig handele es sich um Fische aus westafrikanischen Gewässern, wo Fangflotten der Industriestaaten die Meere ausbeuteten. Als Nahrung für die einheimische Bevölkerung bleibe nicht viel übrig.

Fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fanggeräte und fehlende Schutzgebiete sind den Umweltschützern zufolge die Ursache für die dramatische Situation der Fischbestände. Ende dieser Woche entscheiden die EU-Fischereiminister in Brüssel über die Fangquote in der Nordsee und im Nordostatlantik. Der WWF hofft, dass zukünftig verboten wird, verkaufbare Fische über Bord zu werfen, nur weil sie weniger Profit bringen als andere. (ah/dpa)

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